Schreibblockaden – wenn gar nichts mehr hilft

Heute habe ich einen sehr guten Blogartikel gelesen von Laura Nieland.
Es ist eine prägnante und zugleich ausführliche Beschreibung des Phänomens und es zeigt eine Sammlung von Lösungsmöglichkeiten auf. Auch auf diesem Blog gibt es bereits einen Artikel über Schreibblockaden.

Warum jetzt noch einen Artikel über Schreibblockaden?

Weil manche Schreibblockaden von all den Tipps nicht wegzubekommen sind.
Im Groben laufen die Vorschläge darauf hinaus, es sich gutgehen zu lassen und für Ausgleich zu sorgen, Inspirationen zu suchen. Oder Fehler zu finden, also tiefer in den Text einzusteigen durch Gespräche mit anderen oder weiterem Plotten. Auch die Bedeutung von Routinen wird betont. Das stimmt. Damit ist das Problem wirklich oft gelöst, von daher ist es sinnvoll, zuerst die beiden obigen Artikel zu lesen. Vielleicht hat sich der Knoten auf diese Weise bereits aufgelöst.

Aber was, wenn die allerbesten Bedingungen existieren und es trotzdem nicht fließt beim Schreiben? Wenn der Knoten im Hirn eher größer als kleiner wird?

Dann lohnt es sich, einmal ganz anders an die Angelegenheit ranzugehen. Das setzt voraus, die üblichen Tipps auch durchprobiert zu haben.
Aber es kann sein, dass der Fehler woanders liegt, nämlich dadurch bedingt ist, dass man generell Wertigkeiten schafft. Es wird eingeteilt in Gut (Abwechslung, Auszeiten, Bewegung, Inspirationen, Plotten und Planen, Austausch, Routinen) und Schlecht (zu viel Schreiben, sich beim Schreiben treiben lassen, spontan schreiben, im Alltag festhängen, keinen Ausgleich haben und wie ein Couchpotato vor dem Fernseher hängen oder im Internet zappen).
Man optimiert sich zum Vorzeigeautor, schafft die besten Bedingungen: genügend Zeit, wenig Stress, Rückzugsmöglichkeiten, Inspirationen durch viele Reisen und Abwechslung, logische und ausführliche Plots, Bewegung und auch Pausenzeiten. Eine klare Schreibroutine.

Wenn man nicht aufpasst, wird man noch »Schreiboptimierer« von Beruf.

Und? Es funktioniert trotz aller üblichen Tipps nicht? Möglicherweise sogar gerade deswegen, weil Du verbesserst und weiterverbesserst, Dein Leben und Alltag auf den Prüfstand stellst?.

Der Haken liegt eventuell genau an dem Wort »verbessern«.

An der Einteilung in gut und schlecht, in richtig oder falsch. Auch der Begriff »Schreibblockade« ist im Grunde nicht korrekt, denn Du kannst ja schreiben. Oder bereitet es Dir Probleme, die Einkaufsliste zu notieren? Einen Geburtstagsgruß? Auf Facebook oder Instagram etwas zu posten?

Also kannst Du schreiben!

Sich das zu vergegenwärtigen ist der erste Schritt. Du kannst schreiben. Immer, wenn Du willst. Und Du schreibst auch, sogar sehr viel, wette ich. Es ist oft die Wortanzahl eines Romanartikels, die wir täglich schreiben, aber eben nicht am Roman.
Nun gilt es, den Fokus auf das zu legen, was funktioniert und das, was nicht geht, erst einmal auszublenden. Erstens kannst Du schreiben, das ist definitiv viel, es ist die Grundbedingung. Denk nicht an Deine Schreibblockade, sondern an das, was Du kannst, wie zum Beispiel schreiben.

Du kannst auch eine Zeit bestimmen.

Meine Empfehlung: Nimm die Zeit, bevor das Leben am Tag über Dich hereinbricht, beginne lieber mit einer geringeren Dauer als mit einer zu hoch angesetzten. Wann ist die Zeit, an der Du TÄGLICH schreiben kannst? Trage sie in den Kalender ein. Hier lohnt es sich rumzuprobieren. Auch kann durch ein Mittagsschlaf (wenn einplanbar) der gefühlte Tagesbeginn und der Neustart auf den Nachmittag verschoben werden.

Jetzt wird es individueller. Es ist völlig uninteressant, wie Du NICHT schreiben kannst, wie Du Dein Hirn blockierst.

Wie kannst Du schreiben? Im Grunde in jeder Variante, aber wo kommen die meisten Worte, die meisten Ideen?

  • Auf Post-it-Zetteln mit Filzstift?
  • Mit Füller in der Kladde im Bett?
  • Mit dem Diktiergerät unterwegs beim Wandern?
  • Mit dem Diktiergerät beim Autofahren? Ja, ich weiß, Handybedienung während der Fahrt ist verboten, aber nicht, es im Aufnahmemodus nebenan zu legen.
  • Mit dem E-Pen auf dem Tablet? Es gibt übrigens tolle Apps zur Schriftenumwandlung.
  • Bei mir kommen die meisten Ideen an einer alten Schreibmaschine oder mit Füller auf einem A4 Block. Varianten existieren unzählige. Selbst wenn es mit Lippenstift auf Toilettenpapier ist, ist es eben so.

Sicher kommt der Gedanke auf: Tja, ich kriege auf diese Weise zwar viele Worte, viele Ideen, bin aber bei meinem Projekt keine Zeile weitergekommen. Das zeigt eins der Hauptprobleme, dass man bei einer Schreibblockade mit den Nerven fertig ist und doch einfach nur am Roman weiterkommen will, keine Post-it-Zettel ausprobieren, keinen Füller hervorkramen. Hier lohnt sich Geduld, weil sich ein Roman ja nicht an einem Tag schreibt. Und wenn man sowieso blockiert ist, kann man einiges auch noch einmal ganz neu probieren. Herumprobieren ist doch besser, als sich über die Blockade aufzuregen.

Also: WIE schreibst Du am besten? Oder diktierst Du lieber? Wo kommen die meisten Wörter, Ideen? Finde es heraus und vergleiche real, stelle es Dir nicht nur vor. Um das zu probieren, beginne ein Tagebuch oder Briefe oder was auch immer. Das Was zählt nicht, nur die Wortanzahl, die Ideendichte und das Wohlfühlen.

Wenn Du es herausgefunden hast, bist Du einen großen Schritt weiter. Du weißt, dass Du schreiben kannst. Und Du kannst immer schreiben, hast für Dich die beste Zeit festgelegt. Und Du kennst die Art, wie Du am besten schreibst.

Nun geht es an den Ort. Wo fühlst Du Dich am wohlsten? Wo hast Du Ruhe oder die richtige Menge an Hintergrundgeräuschen?

Probiere verschiedene Schreiborte aus, die realistisch, schnell und ohne großen Aufwand regelmäßig zu erreichen sind.
»Also ich schreibe am besten in Australien, wenn mir jemand den Rücken massiert und es genau 28 Grad ist«, das gilt nicht.

  • Ist es das Sofa im Wohnzimmer?
  • Dein Bett?
  • Die Badewanne?
  • Im Liegen oder Sitzen oder Stehen?
  • Im Auto beim Diktieren?
  • Im Stau?
  • An der Bushaltestelle?
  • Hast Du einen Lieblingssessel?
  • Auf der Bank im Park?
  • Bei der Gassirunde mit Deinen Hunden?
    Es gibt noch so viel mehr Alternativen, probiere sie aus.

Jetzt weißt Du, wie Du es angehen musst, Du kannst Schreiben, kennst den besten Ort, den Modus, die Zeit. Wenn Du dann schreibst und mit dem Roman beginnst, gilt weiterhin: Es geht nur um die Wörter, um die Ideendichte. Reihenfolge? Egal. Blöd formuliert? Egal. Jeder, der es liest, denkt, Du spinnst? Egal.

Sage Dir immer wieder: Es geht nur um das Schreiben an sich, um nichts, aber auch gar nichts anderes.

In der Realität habe ich so 2013 einen Roman mit Abgabetermin im Bett geschrieben, mit Füller auf einen Block, nicht von vorn bis hinten, sondern querbeet, mal was zu den Figuren, mal etwas zu dem Setting, mal eine Szene, mal nur eine Idee skizziert.
Das Sortieren der Seiten und entziffern meiner nächtlich verkrakelten Schrift hat 2 Wochen gedauert. Rund 10 Tage musste ich die Lücken füllen, weil der Roman eben nicht vollständig war. Die Überarbeitung war auch länger als sonst.
Ja, diese Methode kostet durch all das Herumprobieren Zeit. Du wirst langsamer schreiben, weil Du möglicherweise Zwischenschritte (Sortieren, Lückenfüllen, stärkeres Überarbeiten) einbauen must.
Aber hey, das packst Du mit Links, immerhin verschwindet so meistens die Schreibblockade und das ist doch was! Damit hast Du Dein Ziel erreicht.




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Wann ist es gut genug?

Es ist eine generelle Schwierigkeit, die bei allen künstlerischen Tätigkeiten auftritt, ob man es als Hobby oder als Beruf betrachtet.
Während meiner Schulzeit habe ich die Wochenenden und Urlaube genossen, vollständig abgeschaltet, ohne an irgendwelche Pflichten zu denken. Wenn mit der sehr lockeren Einstellung überwiegend Zweien und Dreien herauskamen und auf dem Zeugnis standen, fand ich das gut genug und war zufrieden. Hobbys, Entspannung, Ausgleichszeiten, all das hat sich wie von selbst ergeben. Ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nachmittags stundenlang vor dem Fernseher gesessen habe? Oder Tage im Bett verbracht? Nein. Warum auch?

Mit dem Schulmusikstudium war es vorbei mit meiner lockeren Einstellung, vor allem beim Geige- und Klavierspielen.

Wenn man es halbwegs professionell betreibt, wird klar:
Einen Tag nicht üben? Kein Problem.
Zwei Tage nicht üben? Ich habe dann deutlich gemerkt, wie die Finger bei technisch schwierigen Stellen nicht flüssig liefen, wie die Konzentration auf dem Notentext und weniger auf der Musik lag, wie ich mehr Kraft aufwenden musste, um ein Stück fehlerfrei zu spielen.
Drei Tage nicht üben? Autsch! Wenn dann eine Unterrichtsstunde ansteht, braucht man dem Lehrer nichts vormachen, es wird nicht laufen. Da hilft es nicht zu sagen: »Am Anfang letzter Woche, da konnte ich es soooo gut!«

Theoretisch gibt es während der Studienzeit mehr als genug Ferien.

Aber mir hat es gegraut vor diesem Zustand, wenn man nach der Pause das Gefühl hat, wieder von vorn anzufangen. Deshalb habe ich Übeunterbrechungen eingelegt. Ferien und Wochenenden? Gestrichen.
Je nach Konstitution ist es kein Problem, das ein paar Jahre durchzuhalten, die Aufmerksamkeit auf die Kunst zu richten, aufs Schreiben, aufs Musizieren, auf sonst nichts.

Wie ein Musikstück kann ein Roman IMMER besser werden, wirklich immer.

Man kann immer ein weiteres Mal überarbeiten, findet kleine Fehlerchen, selbst bei meinen üblichen vier bis fünf Korrekturdurchgängen. Man kann auch sein Schreibpensum immer erhöhen.
Mit diesem Wissen fiel es mir jahrelang schwer, abzuschalten, etwas anderes zu tun als erst die Instrumente zu üben, dann zu Schreiben oder sich mit dem Schreiben zu beschäftigen

Der Gedanke an einen freien Tag hat mich nervös gemacht, weil es ja so viel zu tun und zu verbessern gab.

Ja, den perfekten Roman, den hätte ich gerne gehabt. Er wird selbstverständlich ein Bestseller. 50.000 verkaufte Exemplare, ist das nicht toll? Er erhält natürlich keine schlechten Rezensionen, weil alle angetan sind. Fehlerfrei ist er, ohne einen einzigen Buchstabendreher.

Der Roman macht mich reich, berühmt und glücklich.
So weit die Fantasie.

Träumen ist erlaubt, aber um beim Schreiben einen langen Atem zu bewahren, was viel wichtiger ist als der perfekte Roman, gilt es erst einmal, die Nerven zu schonen. Und jetzt kommt die tragische Erkenntnis: Niemand anderes wird Dir sagen, dass der Roman, Dein Schreiben gut genug ist. Es wird immer diejenigen geben, die keinen Zugang zu dem Geschriebenen bekommen. Perfekt überarbeitete und geplante Romane können sich schlecht verkaufen. Auch nach einem Bucherfolg kann es sein, dass man als Autor jahrelang wie gegen Wände läuft, Absagen kassiert und Flops produziert. Damit umzugehen, ist nicht leicht.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Dinge, die man selbst tun kann, um beim Schreiben den Spaß zu behalten, nicht auszubrennen und nicht zu verzweifeln.

Ja, der Roman, an dem Du schreibst, an dem ich schreibe, wird nicht perfekt. Er wird wahrscheinlich schlechte Rezensionen bekommen. Vielleicht verkauft er sich gut, vielleicht nicht.
Aber eins kann ich von meinem nächsten Roman gewiss sagen: Ich habe einen Riesenspaß beim Schreiben. Und was für einen! Ich genieße es, in die Figuren, die Handlung, die Orte einzutauchen. Schreiben ist für mich entspannend wie Meditation oder wie ein Mittagsschlaf. Ich liebe es – wieder. Denn ich lasse mir garantiert den Spaß daran nicht mehr verderben, halte mir kein unerreichbares Optimum vor Augen

Am Anfang war Schreiben mein Abtauchen, mein Kurzurlaub, jetzt ist es wieder so.

Das ist der erste Punkt, der wichtig ist, um langfristig die Nerven zu behalten. Sich bloß von niemandem den Schreibfluss und die Freude am Schreiben nehmen lassen! Den inneren Lektor und Kritiker in den Urlaub schicken.

Der zweite Punkt, der mich nicht verzweifeln und mich Fehlschläge ertragen lässt: Meine Ziele sind klein, aber erreichbar.

»Ich schreibe jetzt innerhalb eines Monats den nächsten Megabestseller«, das wünschen sich viele gerade am Anfang ihrer Schreibkarriere. Diese Einstellung führt ins Unglücklichsein.
Warum nicht klar definieren:

  • Ich schreibe jeden Tag dreißig Minuten.
  • Ich schreibe jeden Tag 500 Wörter.
  • Heute suche ich aus dem Internet Bilder für meine Protagonisten heraus und drucke sie aus

Das klingt nicht sonderlich beeindruckend. Wer das auf Partys erzählt, wird dafür kaum Bewunderung bekommen.

»Du schreibst jeden Tag dreißig Minuten? Also ICH war heute EINEINHALB Stunden im Fitnessstudio und was glaubst Du, was ich für einen Muskelkater habe?«

Doch darum geht es nicht. Wir Autoren brauchen niemanden zu beeindrucken, uns nicht zu vergleichen, es ist egal, ob es dreißig Minuten Schreibzeit am Tag sind oder zwei Stunden, 500 Wörter oder 2000. Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig außer uns selbst, erst einmal. Die Frage ist nicht, welches Pensum beeindruckt, welches Pensum ich haben muss, um mit einem Kollegen oder einer Kollegin mitzuhalten, sondern was mein erreichbares Ziel ist, das ich recht locker schaffe, das mich beflügelt und nicht auslaugt.
Es ist auch eine Wertschätzung und Freundlichkeit sich selbst gegenüber, indem wir uns Ziele setzen, die zwar klein sind, aber in der Regelmäßigkeit weiterführen. Heute habe ich diesen Artikel geschrieben. Im Vergleich mit anderen Autoren ist das sicher nicht sehr beeindruckend.
Was soll es?

Wartet nur, morgen …morgen schreibe ich wieder eine halbe Stunde

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Foto: Depositphotos.com, Happy child playing outdoors@ Yaruta

Mehr bringt auch mehr?

Zu Beginn möchte ich euch ein Erlebnis aus meiner Schule erzählen, als ich noch selbst Schülerin der 13. Klasse war. Wir schrieben Leistungskursarbeiten. Mathe. Angesetzt waren fünf oder sechs Unterrichtsstunden. Nach drei Stunden war ich fertig und wollte abgeben, mit dem Rad nach Hause fahren. Inzwischen ahne ich, dass unser damaliger Chemielehrer, der die Aufsicht geführt hat, mich trotz seines Protestes nur hat gehen lassen, weil er nicht endlos diskutieren wollte und weil ein längeres Streitgespräch auch die anderen von ihrer Arbeit abgelenkt hätte. Ich setzte mich also aufs Rad, fuhr los und genoss den Rest des freien Vormittags.
Abschließend sei gesagt: Nein, ich habe die Arbeit nicht verhauen, es war ein „sehr gut“.
Was das jetzt mit dem Schreiben zu tun hat?
Wohl jeder ist schon auf die verbreitete Ansicht gestoßen: Etwas wird nur richtig gut, wenn man hart und ausdauernd daran arbeitet

Je mehr Anstrengung, Konzentration, Zeit und Mittel für etwas verwendet werden, umso besser.


Wer hat von Angehörigen im Literaturbetrieb, zum Beispiel im Literaturteil der Zeitungen nicht die Bewunderung erlebt, wenn jemand JAHRELANG oder gar jahrzehntelang an einem Roman gearbeitet hat? Das zeugt von Qualität. Das ist lesenswert!

Die anderen, das sind die „Schnellschreiber“.

Ein Begriff, der mir vor allem unter Buchhändlern begegnet ist. Schon wieder eine Neuerscheinung von XY. Hat die nicht zuletzt … Und ja, sie / er hat. Na, dann kann das neue Buch ja nichts taugen.
Für meine ersten Romane habe ich wirklich Jahre gebraucht. Ich habe mich mit Wörtern und Sätzen gequält, an manchen Wochenenden acht oder mehr Stunden am Schreibtisch gesessen und schlussendlich nichts Neues produziert, das ich stehen lassen konnte, sondern sogar auch noch Passagen aus dem bestehenden Manuskript gelöscht. Die Bilanz des Tages war damit auf die Wortanzahl bezogen negativ. Mir tat der Rücken weh, der Kopf dröhnte und Hunger hatte ich anschließend auch keinen mehr. Das Hungergefühl an sich war mir von der Anspannung des Nachdenkens vergangen. Obwohl ich in meinen Anfangsjahren des Schreibens selbst erlebt habe, dass eine längere Zeitdauer der Arbeit nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen führt, hatte ich eine Blockade, diese Erkenntnis auch aufs Schreiben zu übertragen.

Inzwischen bin ich mir sicher: Mehr (Zeit, Konzentration, Willenskraft) hilft nicht mehr. Sogar würde ich einen Schritt weitergehen. Mehr schadet.

Einen Roman kann man auf exzessive Weise unbeschadet schreiben, wenn man jung und gesund ist. Wer Anfang zwanzig ist, verkraftet es zumeist problemlos, wenn man sich bei stundenlangem Sitzen am Schreibtisch alle Muskeln verspannt, wenn man nicht ausreichend isst und trinkt. Der Körper ist widerstandsfähig, er verzeiht viel. Die anschließende Schlaflosigkeit, weil man auch in der Nacht nicht die Gedanken vom Roman wegbekommt, erscheint dann wie eine zusätzliche Auszeichnung: Seht her, was ich für den Roman alles tue, wie wichtig er mir ist.
Doch auf die Jahre bezogen glaube ich nicht, dass das irgendjemand unbeschadet durchhält. Wer zu viel tippt, bekommt Probleme mit den Sehnenscheiden, oder es ist der Rücken, der zuerst Signale sendet, oder der Nacken. Manchmal sinkt auch als erstes Symptom die Stimmung in den Keller.

Sicher, ein Roman schüttelt sich nie aus dem Ärmel. Ohne Mühe und Konzentration geht es nicht.

Aber inzwischen plädiere ich dafür, die Vorurteile, die euch laufend begegnen, einmal zu überdenken und auch Alternativen selbst auszuprobieren.
Ist ein Roman, der in zwanzig Jahren entstanden ist, schlechter als einer, der in zwei Monaten geschrieben wurde? Jeder, der im Schreiben erfahren ist, weiß, dass sich der Stil, das Denken, die Persönlichkeit wandeln. Was man vor langer Zeit verfasst hat, passt heute nicht mehr. Um es zu veröffentlichen, muss man es völlig neu schreiben. Ich behaupte, der Roman würde genauso gut, wenn man immer wieder kurz Ideen auf Zettel notiert, sich dann irgendwann hinsetzt, um den Roman zügig zu schreiben.
Dann die Zeitdauer der Arbeits“sitzung“: Lohnt es sich, acht Sunden am Schreibtisch zu grübeln, was man schreiben könnte? Wird der Roman besser, je mehr Zeit man vor dem Bildschirm verbringt?
Mir selbst hilft es mehr, wenn ich zur Einstimmung den Morgen mit einem Ritual starte, dann konzentriert für eine festgelegte, kurze Zeit schreibe.

Bei all den Erwähnungen, wie ungeheuer lang und hart jemand am Roman gearbeitet hat, fehlt ein wesentlicher Aspekt: die Pausen.

Ich denke, Pausen sind sogar wichtiger für das Schreiben als die Zeit, die man am Schreibtisch verbringt. Mit Pausen meine ich nicht, sich stundenlang vor Netflix zu parken, Youtube-Videos durchzuklicken, oder etwas in der Art, sondern sich einen bewussten Ausgleich zu schaffen, sich Tätigkeiten zu wählen, die mit dem Schreiben nichts zu tun haben und guttun. Was inspiriert, Spaß macht und Erholung bringt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Bei mir sind das vor allem: wandern (mit und ohne Hunden), reisen, Sport insgesamt, Pizza essen gehen, Freunde und Kollegen treffen, Musik hören und selber machen, zeichnen.

Unser Hirn ist nicht so aufgebaut, dass es Lösungen für Plotprobleme liefert, wenn wir uns nur lang und angestrengt genug an den Schreibtisch setzen.

Sondern die Aha-Erlebnisse kommen oft genau dann, wenn wir sie nicht erwarten, unter der Dusche, beim Kochen, draußen, beim Autofahren, wenn man wegen des dichten Verkehrs keine Chance hat, zum Block zu greifen. Deshalb ist es wichtig, genau solche Auszeiten bewusst in den Tag zu integrieren. Umso wahrscheinlicher ist es meistens, dass die Lösungen auftauchen.
Ich selbst habe aktuell folgenden Rhythmus:

  • eine Hunderunde gehen
  • Tee trinken
  • 45 Minuten konzentriert schreiben
  • länger wandern
  • rund 1 Stunde Mails beantworten, mich um Werbung, Social Media kümmern.
    Dann ist Zeit fürs Mittagessen. Da mein Tag sehr früh beginnt, lege ich mich meistens auch noch einmal hin.
  • rund zwei Stunden Arbeit enthält der Nachmittag, es können auch einmal bis vier Stunden werden, aber der Abend ist dann wieder frei

Bei alledem ist die Zeit für das Schreiben extrem kurz, doch gerade in den schreibfreien Zwischenzeiten werden mir Zusammenhänge meiner Schreibplanung klar, Widersprüche im Plot deutlich, sodass diese Auseiten im Grunde genauso wichtig sind, wie das Schreiben selbst.
So kann ich nur jeden ermuntern, die eigene Schreibroutine unter die Lupe zu nehmen und eventuell netter zu sich selbst zu sein. Niemandem hilft es, wenn ihr euch quält, wenn ihr Stunden am Schreibtisch auf den leeren Bildschirm starrt. In Erzählungen macht es sich oft wirklich gut und es führt auch zu Bewunderung, wenn ihr von Mamut-Schreibsitzungen berichtet: Wow, so wichtig ist ihr / ihm sein Schreiben und der Roman! Was sie / er alles dafür opfert!
Ist das nicht heroisch? Muss ein wahrer Held nicht kämpfen, in erster Linie gegen sich selbst, um zum Erfolg zu kommen? Schließlich verlangen wir das ja auch von unseren Romanfiguren. Sie sollen kämpfen, bis an ihr Äußerstes gehen, sich selbst von Verletzungen und Gefahren nicht aufhalten lassen.

Aber das reale Leben ist kein Roman.

Nein, das Schreiben muss kein Kampf sein, keine Selbstzerstörung, keine Quälerei. Man kann es auch einfach nur fließen lassen und sich ansonsten ein schönes Leben machen.


Beitragsbild: Tired businesswoman sleeping on her desk
@ stockasso, depositphotos.com

Schreibblockaden

Früher dachte ich: Mir kann so etwas nie passieren

… und ist es in den ersten zwanzig Autorenjahren auch nicht. Wenn es geklemmt hat, reichte bei den journalistischen Texten ein kurzes Telefonat mit der Programmleitung und es floss wieder. Bei meinen Romanen war es eher so, dass das Leben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, weil ich am liebsten Tag und Nacht durchgeschrieben hätte.
Inzwischen weiß ich, dass das einfach nur eine Mischung aus Glück gewesen ist und guten äußeren Umständen.

Denn ja, seit einigen Jahren kenne ich sie auch nur zu gut, die Schreibblockaden.

Ganz übel ist es, wenn der Kontostand ins Minus rutscht, ich nur das abgesprochene Exposé schreiben und abgeben müsste, es aber nicht geschrieben kriege, weil …
Tja, warum? Es geht einfach nicht. Ich setze mich hin und mir fällt nichts ein. Alle Ideen, die ich vorher für gut befunden habe, erscheinen nun lächerlich, langweilig oder richtig bescheuert. In vielen Ratgebern habe ich gelesen, dass es hilfreich sei, auf inhaltlicher Ebene zu arbeiten, Mindmaps zu erstellen, sich mit Kollegen fachlich auszutauschen, aber das führt bei mir gar nicht weiter, im Gegenteil. Mit Mindmaps kann ich Hunderte von Ideen produzieren, die dann auch lächerlich sind, langweilig oder mehr als bescheuert. Im Gespräch mit Kollegen kann ich denen erklären, warum das alles nichts taugt. Logik hilft bei mir nicht weiter, denn was fehlt, sind keine Ideen, es gibt keinen grundsätzlichen Fehler in der Handlung, den ich beheben könnte, sondern das Feuer fehlt, das Brennen für ein Thema, für Figuren, der Kick, der mich dazu bringt, mich hinzusetzen, der mir sagt: DU MUSST SCHREIBEN! DAS UND NICHTS ANDERES.
Du musst dich nur durchkämpfen, auch ein Ratschlag, den man häufig hört. Aber was kommt dabei raus? Man schreibt in acht Stunden zwei Seiten, ist völlig erschöpft und löscht beim nächsten Mal die zwei Seiten wieder.

Aber inzwischen habe ich Wege gefunden, die wirklich helfen. Dabei sind zwei Dinge ausgeschlossen, die ich bei Schreibblockaden im Vorfeld überprüfen würde:

  • Ist das Schreiben gut im Tagesplan integriert und funktioniert die Regelmäßigkeit? (Wer versucht, zwischen Tür und Angel ein paar Minuten Schreibzeit zu quetschen, scheitert zumeist. Aber das ist meistens gar nicht das Problem, und wenn es das ist, lässt es sich auch mit logischem Denken beheben.)
  • Wenn es mitten im Roman hängt: Gibt es einen Fehler im Aufbau der Geschichte? (Hier reicht es, eine Kollegin oder einen Kollegen des Vertrauens zu fragen, um eine ehrliche Antwort zu bekommen, das lässt sich auch leicht beheben.)
  • Habt ihr zu viel Ablenkung durch andere Apps und Programme? Legt das Handy ganz weg, in einen anderen Raum, schaltet das Telefon aus, steckt euch eventuell Ohropax in die Ohren und sperrt das Internet, entweder durch das Ziehen des Steckers oder indem ihr selbst am Computer eine Kindersicherung installiert. Beim Mac funktioniert 1Fokus ganz fantastisch.

Aber eine der typischen Schreibblockaden folgt keiner Logik. Die Schreibzeit ist da, könnte genutzt werden. Die Idee wartet nur darauf, umgesetzt zu werden, und es gibt auch keinen Grund, eben nicht anzufangen.

Innerlich ist es, wie wenn man vor einer geschlossenen Tür steht und keinen Schlüssel besetzt. Zu dem „Ich kann einfach nicht“ gesellen sich bald noch andere Gedanken. Das Buch wird sich sowieso nicht verkaufen. Es ist schlecht. Ich bin nicht gut genug. Es gibt schon viel zu viele Autoren, zu viele Bücher, was soll ich da noch … Ich werde es niemals schaffen.
Wobei sich dieses Gedankenkreisen zumindest vermeiden lässt. Nein, setzt euch nicht zum zwanzigsten Mal an den Computer, um euch den Text mühevoll abzutrotzen, denn die Blockade führt dazu, dass man in der Gegend herumdenkt, anstatt zu schreiben. Probiert einmal Folgendes:

  • Macht etwas ganz anderes, etwas Schönes, das ihr euch schon lange gewünscht habt: Geht unter Leute und redet (aber nicht die Schreibblockade immer wieder durchkauen, kurz erwähnen ist okay, aber um die Schreibblockade kreisen, das tut ihr zu Hause schon viel zu lang), treibt Sport, gönnt euch einen Kinobesuch oder was auch immer euch Freude bereitet. Verbietet euch für ein paar Tage das Schreiben und genießt das Leben. Manchmal reichen schon ein paar Stunden, um so einen Durchbruch zu erreichen. Meiner Erfahrung nach sind drei Tage ein guter Zeitrahmen, jedenfalls bei mir.
  • Wechselt den Schreibmodus. Das klingt einfach, ist aber eines der wirksamsten Mittel. Ihr tippt am Computer? Schreibt mit der Hand, diktiert den Text beim Wandern ein oder probiert, auf einem Tablett mit einer App zur Handschriftenerkennung mit einem Pen zu schreiben und die Schrift umwandeln zu lassen. Mir hat es vor einiger Zeit geholfen, auf eine alte elektrische Schreibmaschine zu wechseln. Das war für mich eines der besten Erlebnisse 2018, wie diese für einen Euro ersteigerte Schreibmaschine meinem Schreiben einen so guten Schwung verliehen hat. Es war der am besten angelegte Euro überhaupt.
  • Ändert den Schreibort.
    Vom Schreibtisch aufs Sofa oder in den Sessel, ab ins Bett. Im Sommer kann man sich auch draußen in eine Hängematte legen, wandern gehen und zwischendurch an einem schönen Ort Rast machen und schreiben. Wie läuft es im Café? Hier hilft es, wenn ihr euch fragt, wo ihr früher richtig kreativ sein konntet. Wo hattet ihr ganz am Anfang eurer Schreiblaufbahn die perfekten Ideen, wo floss das Schreiben am besten? Sucht diese Orte wieder auf.

Möge für uns alle 2019 ein ganz besonders kreatives Schreibjahr werden!

Und bei Blockaden: Mögen die Tipps oben euch helfen, wieder in Schwung zu kommen. Ich selbst schreibe im Zweifelsfall in der Hütte auf der alten Schreibmaschine 😊

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Beitragsbild: Writer’s Block Words Road Construction Barrier Barricade @ iqoncept, Depositphotos

Meine drei Info-Highlights fürs Selfpublishing

Nach sechs Jahren im Selfpublishing habe ich unzählige Bücher und Blogartikel gelesen und nutze die Chance des ersten Blogartikels auf meinem neuen Blog der Selfpublishingberatung, einmal zusammenzustellen, was mir persönlich am meisten weitergeholfen hat in all den Jahren.

  1. Das ist einmal die Webseite der Selfpublisherbibel  – Ein Portal rund um das Selfpublishing, bestückt mit sehr umfangreichen Artikel zu so gut wie allen Fragestellungen. Meine Empfehlung: Dort den Newsletter abonnieren. Es gibt einen Newsletter für neue Blogartikel und einen für eine wöchtentliche Übersicht. Damit ist man immer auf dem neuesten Stand. Für diejenigen, die Bücher lieber in der Hand haben und auch offline nachschlagen wollen: Von dem Blog gibt es auch ein Nachschlagewerk mit demselben Namen.

2. Facebook-Gruppe »Self Publishing« – Fragen und Diskussionen über alles rund ums Selfpublishing. Zu dieser Gruppe habe ich persönlich ein gespaltenes Verhältnis. Dort gibt es sehr viel Informatives! Spannende Diskussionen tauchen häufig auf, aber wer dort aktiv ist, muss auch ein gewisses Maß an Konfliktfähigkeit mitbringen und wissen, dass es manchmal besser ist zu schweigen. Nichts für unüberlegte Poster.

3. Die beiden Fachmagazine »der selfpublisher« und »Federwelt« vom Uschtrin Verlag. Hier lohnt es sich, auch die alten Hefte nachzubestellen. In meinem Bücherregal gibt es inzwischen eine ansehnliche Sammlung der Hefte und es kommt immer noch vor, dass ich teilweise in alten Heften blättere, um etwas nachzuschlagen.

Und was sind eure absoluten Lieblingsseiten, Lieblingsbücher und Lieblingszeitschriften übers Selfpublishing?

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Beitragsbild von Books collection, Depositphotos@ Baloncici