Buchmesse Frankfurt 2019
Warum es sich (trotzdem) lohnt, auf die Buchmesse zu fahren

Keine Frage: Der Buchmessenbesuch kostet einiges an Geld, wenn man nicht gerade eine Karte geschenkt bekommt. Die Anreise in den eben wegen der Buchmesse überfüllten Zügen ist stressig. Stattdessen ins Auto zu steigen, hilft auch nicht unbedingt, da die Parkhäuser auch teuer sind, die Straßen voller Staus. Die Hallen sind voll, laut, schon nach kurzer Zeit ist man bei einer leichten Erkältung heiser, weil eine Unterhaltung in üblicher Lautstärke nicht möglich ist. Unübersichtlich ist es anfangs auch.

Warum zur Hölle sollte man es sich antun, auf die Buchmesse zu fahren?

Warum nicht einfach zu Hause bleiben und sich über die sozialen Medien vernetzen? Reicht das nicht?
Für mich ist ganz klar: Nein, es reicht nicht, weil die Vorteile der Buchmesse überwiegen. Auch wenn sich aufgrund all der Eindrücke, der Wärme in der Halle, der Menschenmenge und des Lärmpegels mein Kopf schon nach wenigen Stunden anfühlt, als hätte ich über den Durst getrunken, genieße ich den Messebesuch noch Wochen später. Warum?
Nirgends gibt es Lesungen und Vorträge gehäufter und schneller erreichbar.

Wer einmal auf der Messe ist, bekommt ein Angebot für Literaturfans, das nicht zu toppen ist.

Gerade aufgrund der Fülle lohnt es sich allerdings, sich im Vorfeld genau zu überlegen: Welche Veranstaltungen finden zu dem Zeitpunkt, an dem ich da bin, statt? Was möchte ich unbedingt besuchen? Wie komme ich von Ort zu Ort (Hallenplan besorgen, das ist für Neulinge ein Muss). Neben den Übersichten auf den Webseiten der Buchmesse gibt es auch auf Blogs interessante Zusammenstellungen. Auch kann man konkret auf den Facebook-Seiten der Autoren nachsehen, wann wer sich wo befindet. Neben dem Messeplan und der Vorabinformation ist es natürlich wichtig, bei der Kleidung in erster Linie auf Bequemlichkeit zu achten. An diesem Messedonnerstag hatte ich einen Schrittzähler dabei, der am Ende des Tages genau 13493 Schritte gezählt hat. Rund 9,5 Kilometer sind das bei meiner Körpergröße, das geht schon in Richtung Sportprogramm – zumindest für Untrainierte.
Im Alltag ist man mit seiner Vorliebe für Lesen / Literatur / bestimmte Autoren oft ein bunter Hund. Die eigene Begeisterung herauslassen in einer Unterhaltung? Das ist nicht unbedingt immer empfehlenswert, wenn man die anderen nicht zutexten und nerven möchte. Auf der Buchmesse geht es endlich einmal nicht um Smalltalk, nicht um Höflichkeit, sondern um unsere Leidenschaft. Auch mit neuen Bekanntschaften werden die Gespräche schnell intensiv, als würde man sich schon Jahre kennen. Für jeden, der Bücher liebt, ein Genuss, direkt mit dem Wesentlichen beginnen zu können.
Nirgends ist es so einfach, neue Kontakte zu knüpfen. »Ich stelle dich mal xy vor«, in der Unkompliziertheit habe ich es nur auf der Buchmesse erlebt, wie schnell es möglich ist, Freundschaften zu schließen (ja, richtige Freundschaften), den eigenen Blick zu erweitern.

Für mich ist die Buchmesse auch in erster Linie ein tolles, sehr reelles Kontrastprogramm zu dem Social-Media-Wahnsinn.

All diejenigen, die erst Freunde »sammeln«, um dann zu posten, dass sie jetzt alle entfreunden wollen, die nicht auch der Meinung sind, dass …, dann die Beiträge mit ausufernden Diskussionen, bei denen es schon längst nicht mehr um die Sache, sondern ums Rechthaben geht? Auf der Buchmesse ist davon nichts zu finden, trotz der Fülle ist die Stimmung gelöst, konstruktiv und inspirierend.

Die Messe ist eine Literaturdusche für Buchfans, die den Staub vom Alltag einmal vollständig abwäscht.

Für mich ist dieses Jahr die Messe nach zwei mit Büchern angefüllten Tagen schon vorbei, aber noch immer freue ich mich, dort gewesen zu sein.

Was kostet eine Buchherausgabe im Selfpublishing?

Oft werde ich gebeten, die Buchherausgabe vom Manuskript zum fertigen Buch mit dem Marketing ganz im Rahmen der Selfpublishingberatung zu übernehmen. Das Manuskript ist geschrieben, vom Autor mehrfach überarbeitet – und jetzt?

Das Selfpublishing ist unübersichtlich und gerade der erste Kontakt mit all den Möglichkeiten und Dingen, die getan werden müssen, ist gerade für jemanden, der nicht gerade ein Computernerd ist, erschlagend. Auch reicht es nicht, ein Computercrack zu sein, denn die ersten Irritationen treten auf, wenn das Geld von Amazon nicht ausgezahlt wird und man sich wundert: Was ist da los??? (Meistens hängt es an den nicht ausgefüllten Steuerinformationen oder falschen Zahlungsinformationen)

Was kostet das denn jetzt?

Interessanterweise ist 500 Euro eine Zahl, die häufig genannt wird. Ich glaube, würde man eine Umfrage erstellen, käme das als übliche Schätzung heraus. 500 Euro, das ist viel Geld, dafür gibt es ein tolles neues Handy, man kann 10x zu zweit Essen gehen. Keine Frage, 500 Euro sind viel Geld, aber im Selfpublishing ist das leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was an Arbeiten ansteht

Das Buch braucht:

  • ein Lektorat. Darüber wird häufig diskutiert, es gibt auch einige Selfpublisher, die darauf verzichten, das steht außer Frage. Trotzdem finde ich, sollte das schon sein, als Wertschätzung des Lesers gegenüber. Der Preis hierfür: ab 4 Euro pro Normseite aufwärts. Bei einem Buch von 300 Seiten wären das 1200 Euro. Es gibt auch Lektoren, die nehmen 7,50 Euro pro Seite.
  • ein Korrektorat. Kosten 1-3 Euro pro Seite. Das ist absolut unverzichtbar, denn ein Buch voller Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler geht gar nicht.
  • ein Cover. Kosten: ab 50/60 Euro aufwärts gibt es „Premade-Cover“, das sind Cover, die sind vom Designer schon fertig entworfen, werden für den Autor angepasst. Cover speziell angefertigt auf Wunsch des Autors gibt es von 300-1500 Euro.
  • Buchsatz. Wichtig ist, dass das Buch auf allen elektronischen Geräten und auch in der Printausgabe gut zu lesen ist. Preis 1-4 Euro pro Seite, was abhängig ist von den Zielen. Viele Bilder und Grafiken treiben hier den Preis in die Höhe, Kapitelzierden, die schönen großen Anfangsbuchstaben sind dabei immer integriert.
  • Der Klappentext. Ich brauche erfahrungsgemäß rund eine Stunde, um mit dem Kunden einen Text zu erstellen, der uns beiden richtig gut gefällt.
  • Das Einstellen des Buches mit dem Heraussuchen der Keywords, das nimmt ca 30-60 Minuten in Anspruch.
  • Das Ausfüllen von Steuerformularen und das Erklären der Rechnungsstellung, die auch vor dem Finanzamt standhält: Das braucht 1-2 Stunden.
  • Buchpromotion. Dieser Punkt bereitet mir selbst immer am meisten Kopfzerbrechen. Wie viel Geld braucht man hier? Ich finde, für 500 Euro kann man für den Anfang ein ganz gutes Paket zusammenstellen, wenn man einige kleinere Anbieter / Blogs wählt und dies kombiniert mit eigener Werbung über die eigenen Social-Media-Kanäle. Ich selbst gebe bei meinen Büchern 1000-2000 Euro für die Werbung aus, pro Buch. Das ist heftig, definitiv.

Gerade bei der Werbung gibt es aber kaum eine Grenze nach oben. Man kann Pressemitteilungen versenden (lassen), das Buch über Facebook und AMS (Amazon Marketing Services, dass das Buch bei den gesponserten Produkten erscheint) promoten. Ich empfehle auch diesen Artikel der Selfpublisherbibel.

Online-Autorenprofilen bei Facebook / Twitter / Instagram zur Buchwerbung sind ein spezielles Thema, denn niemand wird einem Account folgen, der immer nur postet: Kauf mein Buch. Kauf mein Buch. Hier ist immer die Frage: Wie viel Lust und Nerv hat man dazu? Das lohnt nicht, wenn man es nur wegen des Buches tut und es als reine Pflicht betrachtet.

Muss ich jetzt reich sein, um ein Buch herauszugeben?

Wenn man sich diese Rechnung ansieht, versteht man auch, warum Verlage vorsichtig sind bei der Annahme von Manuskripten. „Verlag“ kommt von „vorlegen“, all diese Kosten muss der Verlag stemmen, wenn er Sie unter Vertrag nimmt. Das ist auch der Grund, warum ich neben dem Selfpublishing nach wie vor gerne mit größeren Verlagen zusammenarbeite, dann habe ich kein Risiko, bekomme einen Vorschuss und kann erst einmal schreiben, ohne über die Kosten nachzudenken.

Beim Selfpublishing sind Sie der Verleger. Gerade die Kosten im Selfpublishing sind hoch, besonders, seit sich der Markt und die Autoren in den letzten Jahren immer weiter professionalisiert haben. Ja, es ist nicht leicht, dort mitzuhalten, aber meiner Erfahrung nach wissen Leser und Leserinnen nach wie vor ein gutes Buch im Selfpublishing zu schätzen. Sich ins Selfpublishing zu wagen, da stellt sich in erster Linie die Frage:

  • Glaube ich selbst an mein Buch? (Wobei: Wenn Sie nicht dran glauben, wie soll dann ein Verlag / Verleger daran glauben und das investieren, was Sie nicht investieren wollen?)
  • Bin ich bereit, für das Buch, meinen Traum lange Zeit auf alle anderen Extraausgaben zu verzichten, um dem Buch einen so guten Start wie möglich zu schenken?
  • Was will ich selbst machen, wofür engagiere ich jemanden? Hier eine Warnung: Eine Deutschlehrerin ist keine Lektorin. Ein begabter Verwandter, der gerne mit Photoshop spielt, kein Coverdesigner. Die Leser werden den Unterschied direkt merken.

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Foto: Businessman and acrobatic challenges@ alphaspirit, dopositphotos.com

Wann ist es gut genug?

Es ist eine generelle Schwierigkeit, die bei allen künstlerischen Tätigkeiten auftritt, ob man es als Hobby oder als Beruf betrachtet.
Während meiner Schulzeit habe ich die Wochenenden und Urlaube genossen, vollständig abgeschaltet, ohne an irgendwelche Pflichten zu denken. Wenn mit der sehr lockeren Einstellung überwiegend Zweien und Dreien herauskamen und auf dem Zeugnis standen, fand ich das gut genug und war zufrieden. Hobbys, Entspannung, Ausgleichszeiten, all das hat sich wie von selbst ergeben. Ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nachmittags stundenlang vor dem Fernseher gesessen habe? Oder Tage im Bett verbracht? Nein. Warum auch?

Mit dem Schulmusikstudium war es vorbei mit meiner lockeren Einstellung, vor allem beim Geige- und Klavierspielen.

Wenn man es halbwegs professionell betreibt, wird klar:
Einen Tag nicht üben? Kein Problem.
Zwei Tage nicht üben? Ich habe dann deutlich gemerkt, wie die Finger bei technisch schwierigen Stellen nicht flüssig liefen, wie die Konzentration auf dem Notentext und weniger auf der Musik lag, wie ich mehr Kraft aufwenden musste, um ein Stück fehlerfrei zu spielen.
Drei Tage nicht üben? Autsch! Wenn dann eine Unterrichtsstunde ansteht, braucht man dem Lehrer nichts vormachen, es wird nicht laufen. Da hilft es nicht zu sagen: »Am Anfang letzter Woche, da konnte ich es soooo gut!«

Theoretisch gibt es während der Studienzeit mehr als genug Ferien.

Aber mir hat es gegraut vor diesem Zustand, wenn man nach der Pause das Gefühl hat, wieder von vorn anzufangen. Deshalb habe ich Übeunterbrechungen eingelegt. Ferien und Wochenenden? Gestrichen.
Je nach Konstitution ist es kein Problem, das ein paar Jahre durchzuhalten, die Aufmerksamkeit auf die Kunst zu richten, aufs Schreiben, aufs Musizieren, auf sonst nichts.

Wie ein Musikstück kann ein Roman IMMER besser werden, wirklich immer.

Man kann immer ein weiteres Mal überarbeiten, findet kleine Fehlerchen, selbst bei meinen üblichen vier bis fünf Korrekturdurchgängen. Man kann auch sein Schreibpensum immer erhöhen.
Mit diesem Wissen fiel es mir jahrelang schwer, abzuschalten, etwas anderes zu tun als erst die Instrumente zu üben, dann zu Schreiben oder sich mit dem Schreiben zu beschäftigen

Der Gedanke an einen freien Tag hat mich nervös gemacht, weil es ja so viel zu tun und zu verbessern gab.

Ja, den perfekten Roman, den hätte ich gerne gehabt. Er wird selbstverständlich ein Bestseller. 50.000 verkaufte Exemplare, ist das nicht toll? Er erhält natürlich keine schlechten Rezensionen, weil alle angetan sind. Fehlerfrei ist er, ohne einen einzigen Buchstabendreher.

Der Roman macht mich reich, berühmt und glücklich.
So weit die Fantasie.

Träumen ist erlaubt, aber um beim Schreiben einen langen Atem zu bewahren, was viel wichtiger ist als der perfekte Roman, gilt es erst einmal, die Nerven zu schonen. Und jetzt kommt die tragische Erkenntnis: Niemand anderes wird Dir sagen, dass der Roman, Dein Schreiben gut genug ist. Es wird immer diejenigen geben, die keinen Zugang zu dem Geschriebenen bekommen. Perfekt überarbeitete und geplante Romane können sich schlecht verkaufen. Auch nach einem Bucherfolg kann es sein, dass man als Autor jahrelang wie gegen Wände läuft, Absagen kassiert und Flops produziert. Damit umzugehen, ist nicht leicht.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Dinge, die man selbst tun kann, um beim Schreiben den Spaß zu behalten, nicht auszubrennen und nicht zu verzweifeln.

Ja, der Roman, an dem Du schreibst, an dem ich schreibe, wird nicht perfekt. Er wird wahrscheinlich schlechte Rezensionen bekommen. Vielleicht verkauft er sich gut, vielleicht nicht.
Aber eins kann ich von meinem nächsten Roman gewiss sagen: Ich habe einen Riesenspaß beim Schreiben. Und was für einen! Ich genieße es, in die Figuren, die Handlung, die Orte einzutauchen. Schreiben ist für mich entspannend wie Meditation oder wie ein Mittagsschlaf. Ich liebe es – wieder. Denn ich lasse mir garantiert den Spaß daran nicht mehr verderben, halte mir kein unerreichbares Optimum vor Augen

Am Anfang war Schreiben mein Abtauchen, mein Kurzurlaub, jetzt ist es wieder so.

Das ist der erste Punkt, der wichtig ist, um langfristig die Nerven zu behalten. Sich bloß von niemandem den Schreibfluss und die Freude am Schreiben nehmen lassen! Den inneren Lektor und Kritiker in den Urlaub schicken.

Der zweite Punkt, der mich nicht verzweifeln und mich Fehlschläge ertragen lässt: Meine Ziele sind klein, aber erreichbar.

»Ich schreibe jetzt innerhalb eines Monats den nächsten Megabestseller«, das wünschen sich viele gerade am Anfang ihrer Schreibkarriere. Diese Einstellung führt ins Unglücklichsein.
Warum nicht klar definieren:

  • Ich schreibe jeden Tag dreißig Minuten.
  • Ich schreibe jeden Tag 500 Wörter.
  • Heute suche ich aus dem Internet Bilder für meine Protagonisten heraus und drucke sie aus

Das klingt nicht sonderlich beeindruckend. Wer das auf Partys erzählt, wird dafür kaum Bewunderung bekommen.

»Du schreibst jeden Tag dreißig Minuten? Also ICH war heute EINEINHALB Stunden im Fitnessstudio und was glaubst Du, was ich für einen Muskelkater habe?«

Doch darum geht es nicht. Wir Autoren brauchen niemanden zu beeindrucken, uns nicht zu vergleichen, es ist egal, ob es dreißig Minuten Schreibzeit am Tag sind oder zwei Stunden, 500 Wörter oder 2000. Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig außer uns selbst, erst einmal. Die Frage ist nicht, welches Pensum beeindruckt, welches Pensum ich haben muss, um mit einem Kollegen oder einer Kollegin mitzuhalten, sondern was mein erreichbares Ziel ist, das ich recht locker schaffe, das mich beflügelt und nicht auslaugt.
Es ist auch eine Wertschätzung und Freundlichkeit sich selbst gegenüber, indem wir uns Ziele setzen, die zwar klein sind, aber in der Regelmäßigkeit weiterführen. Heute habe ich diesen Artikel geschrieben. Im Vergleich mit anderen Autoren ist das sicher nicht sehr beeindruckend.
Was soll es?

Wartet nur, morgen …morgen schreibe ich wieder eine halbe Stunde

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Foto: Depositphotos.com, Happy child playing outdoors@ Yaruta

Schreibblockaden

Früher dachte ich: Mir kann so etwas nie passieren

… und ist es in den ersten zwanzig Autorenjahren auch nicht. Wenn es geklemmt hat, reichte bei den journalistischen Texten ein kurzes Telefonat mit der Programmleitung und es floss wieder. Bei meinen Romanen war es eher so, dass das Leben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, weil ich am liebsten Tag und Nacht durchgeschrieben hätte.
Inzwischen weiß ich, dass das einfach nur eine Mischung aus Glück gewesen ist und guten äußeren Umständen.

Denn ja, seit einigen Jahren kenne ich sie auch nur zu gut, die Schreibblockaden.

Ganz übel ist es, wenn der Kontostand ins Minus rutscht, ich nur das abgesprochene Exposé schreiben und abgeben müsste, es aber nicht geschrieben kriege, weil …
Tja, warum? Es geht einfach nicht. Ich setze mich hin und mir fällt nichts ein. Alle Ideen, die ich vorher für gut befunden habe, erscheinen nun lächerlich, langweilig oder richtig bescheuert. In vielen Ratgebern habe ich gelesen, dass es hilfreich sei, auf inhaltlicher Ebene zu arbeiten, Mindmaps zu erstellen, sich mit Kollegen fachlich auszutauschen, aber das führt bei mir gar nicht weiter, im Gegenteil. Mit Mindmaps kann ich Hunderte von Ideen produzieren, die dann auch lächerlich sind, langweilig oder mehr als bescheuert. Im Gespräch mit Kollegen kann ich denen erklären, warum das alles nichts taugt. Logik hilft bei mir nicht weiter, denn was fehlt, sind keine Ideen, es gibt keinen grundsätzlichen Fehler in der Handlung, den ich beheben könnte, sondern das Feuer fehlt, das Brennen für ein Thema, für Figuren, der Kick, der mich dazu bringt, mich hinzusetzen, der mir sagt: DU MUSST SCHREIBEN! DAS UND NICHTS ANDERES.
Du musst dich nur durchkämpfen, auch ein Ratschlag, den man häufig hört. Aber was kommt dabei raus? Man schreibt in acht Stunden zwei Seiten, ist völlig erschöpft und löscht beim nächsten Mal die zwei Seiten wieder.

Aber inzwischen habe ich Wege gefunden, die wirklich helfen. Dabei sind zwei Dinge ausgeschlossen, die ich bei Schreibblockaden im Vorfeld überprüfen würde:

  • Ist das Schreiben gut im Tagesplan integriert und funktioniert die Regelmäßigkeit? (Wer versucht, zwischen Tür und Angel ein paar Minuten Schreibzeit zu quetschen, scheitert zumeist. Aber das ist meistens gar nicht das Problem, und wenn es das ist, lässt es sich auch mit logischem Denken beheben.)
  • Wenn es mitten im Roman hängt: Gibt es einen Fehler im Aufbau der Geschichte? (Hier reicht es, eine Kollegin oder einen Kollegen des Vertrauens zu fragen, um eine ehrliche Antwort zu bekommen, das lässt sich auch leicht beheben.)
  • Habt ihr zu viel Ablenkung durch andere Apps und Programme? Legt das Handy ganz weg, in einen anderen Raum, schaltet das Telefon aus, steckt euch eventuell Ohropax in die Ohren und sperrt das Internet, entweder durch das Ziehen des Steckers oder indem ihr selbst am Computer eine Kindersicherung installiert. Beim Mac funktioniert 1Fokus ganz fantastisch.

Aber eine der typischen Schreibblockaden folgt keiner Logik. Die Schreibzeit ist da, könnte genutzt werden. Die Idee wartet nur darauf, umgesetzt zu werden, und es gibt auch keinen Grund, eben nicht anzufangen.

Innerlich ist es, wie wenn man vor einer geschlossenen Tür steht und keinen Schlüssel besetzt. Zu dem „Ich kann einfach nicht“ gesellen sich bald noch andere Gedanken. Das Buch wird sich sowieso nicht verkaufen. Es ist schlecht. Ich bin nicht gut genug. Es gibt schon viel zu viele Autoren, zu viele Bücher, was soll ich da noch … Ich werde es niemals schaffen.
Wobei sich dieses Gedankenkreisen zumindest vermeiden lässt. Nein, setzt euch nicht zum zwanzigsten Mal an den Computer, um euch den Text mühevoll abzutrotzen, denn die Blockade führt dazu, dass man in der Gegend herumdenkt, anstatt zu schreiben. Probiert einmal Folgendes:

  • Macht etwas ganz anderes, etwas Schönes, das ihr euch schon lange gewünscht habt: Geht unter Leute und redet (aber nicht die Schreibblockade immer wieder durchkauen, kurz erwähnen ist okay, aber um die Schreibblockade kreisen, das tut ihr zu Hause schon viel zu lang), treibt Sport, gönnt euch einen Kinobesuch oder was auch immer euch Freude bereitet. Verbietet euch für ein paar Tage das Schreiben und genießt das Leben. Manchmal reichen schon ein paar Stunden, um so einen Durchbruch zu erreichen. Meiner Erfahrung nach sind drei Tage ein guter Zeitrahmen, jedenfalls bei mir.
  • Wechselt den Schreibmodus. Das klingt einfach, ist aber eines der wirksamsten Mittel. Ihr tippt am Computer? Schreibt mit der Hand, diktiert den Text beim Wandern ein oder probiert, auf einem Tablett mit einer App zur Handschriftenerkennung mit einem Pen zu schreiben und die Schrift umwandeln zu lassen. Mir hat es vor einiger Zeit geholfen, auf eine alte elektrische Schreibmaschine zu wechseln. Das war für mich eines der besten Erlebnisse 2018, wie diese für einen Euro ersteigerte Schreibmaschine meinem Schreiben einen so guten Schwung verliehen hat. Es war der am besten angelegte Euro überhaupt.
  • Ändert den Schreibort.
    Vom Schreibtisch aufs Sofa oder in den Sessel, ab ins Bett. Im Sommer kann man sich auch draußen in eine Hängematte legen, wandern gehen und zwischendurch an einem schönen Ort Rast machen und schreiben. Wie läuft es im Café? Hier hilft es, wenn ihr euch fragt, wo ihr früher richtig kreativ sein konntet. Wo hattet ihr ganz am Anfang eurer Schreiblaufbahn die perfekten Ideen, wo floss das Schreiben am besten? Sucht diese Orte wieder auf.

Möge für uns alle 2019 ein ganz besonders kreatives Schreibjahr werden!

Und bei Blockaden: Mögen die Tipps oben euch helfen, wieder in Schwung zu kommen. Ich selbst schreibe im Zweifelsfall in der Hütte auf der alten Schreibmaschine ?

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Beitragsbild: Writer’s Block Words Road Construction Barrier Barricade @ iqoncept, Depositphotos

Meine drei Info-Highlights fürs Selfpublishing

Nach sechs Jahren im Selfpublishing habe ich unzählige Bücher und Blogartikel gelesen und nutze die Chance des ersten Blogartikels auf meinem neuen Blog der Selfpublishingberatung, einmal zusammenzustellen, was mir persönlich am meisten weitergeholfen hat in all den Jahren.

  1. Das ist einmal die Webseite der Selfpublisherbibel  – Ein Portal rund um das Selfpublishing, bestückt mit sehr umfangreichen Artikel zu so gut wie allen Fragestellungen. Meine Empfehlung: Dort den Newsletter abonnieren. Es gibt einen Newsletter für neue Blogartikel und einen für eine wöchtentliche Übersicht. Damit ist man immer auf dem neuesten Stand. Für diejenigen, die Bücher lieber in der Hand haben und auch offline nachschlagen wollen: Von dem Blog gibt es auch ein Nachschlagewerk mit demselben Namen.

2. Facebook-Gruppe »Self Publishing« – Fragen und Diskussionen über alles rund ums Selfpublishing. Zu dieser Gruppe habe ich persönlich ein gespaltenes Verhältnis. Dort gibt es sehr viel Informatives! Spannende Diskussionen tauchen häufig auf, aber wer dort aktiv ist, muss auch ein gewisses Maß an Konfliktfähigkeit mitbringen und wissen, dass es manchmal besser ist zu schweigen. Nichts für unüberlegte Poster.

3. Die beiden Fachmagazine »der selfpublisher« und »Federwelt« vom Uschtrin Verlag. Hier lohnt es sich, auch die alten Hefte nachzubestellen. In meinem Bücherregal gibt es inzwischen eine ansehnliche Sammlung der Hefte und es kommt immer noch vor, dass ich teilweise in alten Heften blättere, um etwas nachzuschlagen.

Und was sind eure absoluten Lieblingsseiten, Lieblingsbücher und Lieblingszeitschriften übers Selfpublishing?

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Beitragsbild von Books collection, Depositphotos@ Baloncici