Buchmesse Frankfurt 2019
Warum es sich (trotzdem) lohnt, auf die Buchmesse zu fahren

Keine Frage: Der Buchmessenbesuch kostet einiges an Geld, wenn man nicht gerade eine Karte geschenkt bekommt. Die Anreise in den eben wegen der Buchmesse überfüllten Zügen ist stressig. Stattdessen ins Auto zu steigen, hilft auch nicht unbedingt, da die Parkhäuser auch teuer sind, die Straßen voller Staus. Die Hallen sind voll, laut, schon nach kurzer Zeit ist man bei einer leichten Erkältung heiser, weil eine Unterhaltung in üblicher Lautstärke nicht möglich ist. Unübersichtlich ist es anfangs auch.

Warum zur Hölle sollte man es sich antun, auf die Buchmesse zu fahren?

Warum nicht einfach zu Hause bleiben und sich über die sozialen Medien vernetzen? Reicht das nicht?
Für mich ist ganz klar: Nein, es reicht nicht, weil die Vorteile der Buchmesse überwiegen. Auch wenn sich aufgrund all der Eindrücke, der Wärme in der Halle, der Menschenmenge und des Lärmpegels mein Kopf schon nach wenigen Stunden anfühlt, als hätte ich über den Durst getrunken, genieße ich den Messebesuch noch Wochen später. Warum?
Nirgends gibt es Lesungen und Vorträge gehäufter und schneller erreichbar.

Wer einmal auf der Messe ist, bekommt ein Angebot für Literaturfans, das nicht zu toppen ist.

Gerade aufgrund der Fülle lohnt es sich allerdings, sich im Vorfeld genau zu überlegen: Welche Veranstaltungen finden zu dem Zeitpunkt, an dem ich da bin, statt? Was möchte ich unbedingt besuchen? Wie komme ich von Ort zu Ort (Hallenplan besorgen, das ist für Neulinge ein Muss). Neben den Übersichten auf den Webseiten der Buchmesse gibt es auch auf Blogs interessante Zusammenstellungen. Auch kann man konkret auf den Facebook-Seiten der Autoren nachsehen, wann wer sich wo befindet. Neben dem Messeplan und der Vorabinformation ist es natürlich wichtig, bei der Kleidung in erster Linie auf Bequemlichkeit zu achten. An diesem Messedonnerstag hatte ich einen Schrittzähler dabei, der am Ende des Tages genau 13493 Schritte gezählt hat. Rund 9,5 Kilometer sind das bei meiner Körpergröße, das geht schon in Richtung Sportprogramm – zumindest für Untrainierte.
Im Alltag ist man mit seiner Vorliebe für Lesen / Literatur / bestimmte Autoren oft ein bunter Hund. Die eigene Begeisterung herauslassen in einer Unterhaltung? Das ist nicht unbedingt immer empfehlenswert, wenn man die anderen nicht zutexten und nerven möchte. Auf der Buchmesse geht es endlich einmal nicht um Smalltalk, nicht um Höflichkeit, sondern um unsere Leidenschaft. Auch mit neuen Bekanntschaften werden die Gespräche schnell intensiv, als würde man sich schon Jahre kennen. Für jeden, der Bücher liebt, ein Genuss, direkt mit dem Wesentlichen beginnen zu können.
Nirgends ist es so einfach, neue Kontakte zu knüpfen. »Ich stelle dich mal xy vor«, in der Unkompliziertheit habe ich es nur auf der Buchmesse erlebt, wie schnell es möglich ist, Freundschaften zu schließen (ja, richtige Freundschaften), den eigenen Blick zu erweitern.

Für mich ist die Buchmesse auch in erster Linie ein tolles, sehr reelles Kontrastprogramm zu dem Social-Media-Wahnsinn.

All diejenigen, die erst Freunde »sammeln«, um dann zu posten, dass sie jetzt alle entfreunden wollen, die nicht auch der Meinung sind, dass …, dann die Beiträge mit ausufernden Diskussionen, bei denen es schon längst nicht mehr um die Sache, sondern ums Rechthaben geht? Auf der Buchmesse ist davon nichts zu finden, trotz der Fülle ist die Stimmung gelöst, konstruktiv und inspirierend.

Die Messe ist eine Literaturdusche für Buchfans, die den Staub vom Alltag einmal vollständig abwäscht.

Für mich ist dieses Jahr die Messe nach zwei mit Büchern angefüllten Tagen schon vorbei, aber noch immer freue ich mich, dort gewesen zu sein.

Was kostet eine Buchherausgabe im Selfpublishing?

Oft werde ich gebeten, die Buchherausgabe vom Manuskript zum fertigen Buch mit dem Marketing ganz im Rahmen der Selfpublishingberatung zu übernehmen. Das Manuskript ist geschrieben, vom Autor mehrfach überarbeitet – und jetzt?

Das Selfpublishing ist unübersichtlich und gerade der erste Kontakt mit all den Möglichkeiten und Dingen, die getan werden müssen, ist gerade für jemanden, der nicht gerade ein Computernerd ist, erschlagend. Auch reicht es nicht, ein Computercrack zu sein, denn die ersten Irritationen treten auf, wenn das Geld von Amazon nicht ausgezahlt wird und man sich wundert: Was ist da los??? (Meistens hängt es an den nicht ausgefüllten Steuerinformationen oder falschen Zahlungsinformationen)

Was kostet das denn jetzt?

Interessanterweise ist 500 Euro eine Zahl, die häufig genannt wird. Ich glaube, würde man eine Umfrage erstellen, käme das als übliche Schätzung heraus. 500 Euro, das ist viel Geld, dafür gibt es ein tolles neues Handy, man kann 10x zu zweit Essen gehen. Keine Frage, 500 Euro sind viel Geld, aber im Selfpublishing ist das leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was an Arbeiten ansteht

Das Buch braucht:

  • ein Lektorat. Darüber wird häufig diskutiert, es gibt auch einige Selfpublisher, die darauf verzichten, das steht außer Frage. Trotzdem finde ich, sollte das schon sein, als Wertschätzung des Lesers gegenüber. Der Preis hierfür: ab 4 Euro pro Normseite aufwärts. Bei einem Buch von 300 Seiten wären das 1200 Euro. Es gibt auch Lektoren, die nehmen 7,50 Euro pro Seite.
  • ein Korrektorat. Kosten 1-3 Euro pro Seite. Das ist absolut unverzichtbar, denn ein Buch voller Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler geht gar nicht.
  • ein Cover. Kosten: ab 50/60 Euro aufwärts gibt es „Premade-Cover“, das sind Cover, die sind vom Designer schon fertig entworfen, werden für den Autor angepasst. Cover speziell angefertigt auf Wunsch des Autors gibt es von 300-1500 Euro.
  • Buchsatz. Wichtig ist, dass das Buch auf allen elektronischen Geräten und auch in der Printausgabe gut zu lesen ist. Preis 1-4 Euro pro Seite, was abhängig ist von den Zielen. Viele Bilder und Grafiken treiben hier den Preis in die Höhe, Kapitelzierden, die schönen großen Anfangsbuchstaben sind dabei immer integriert.
  • Der Klappentext. Ich brauche erfahrungsgemäß rund eine Stunde, um mit dem Kunden einen Text zu erstellen, der uns beiden richtig gut gefällt.
  • Das Einstellen des Buches mit dem Heraussuchen der Keywords, das nimmt ca 30-60 Minuten in Anspruch.
  • Das Ausfüllen von Steuerformularen und das Erklären der Rechnungsstellung, die auch vor dem Finanzamt standhält: Das braucht 1-2 Stunden.
  • Buchpromotion. Dieser Punkt bereitet mir selbst immer am meisten Kopfzerbrechen. Wie viel Geld braucht man hier? Ich finde, für 500 Euro kann man für den Anfang ein ganz gutes Paket zusammenstellen, wenn man einige kleinere Anbieter / Blogs wählt und dies kombiniert mit eigener Werbung über die eigenen Social-Media-Kanäle. Ich selbst gebe bei meinen Büchern 1000-2000 Euro für die Werbung aus, pro Buch. Das ist heftig, definitiv.

Gerade bei der Werbung gibt es aber kaum eine Grenze nach oben. Man kann Pressemitteilungen versenden (lassen), das Buch über Facebook und AMS (Amazon Marketing Services, dass das Buch bei den gesponserten Produkten erscheint) promoten. Ich empfehle auch diesen Artikel der Selfpublisherbibel.

Online-Autorenprofilen bei Facebook / Twitter / Instagram zur Buchwerbung sind ein spezielles Thema, denn niemand wird einem Account folgen, der immer nur postet: Kauf mein Buch. Kauf mein Buch. Hier ist immer die Frage: Wie viel Lust und Nerv hat man dazu? Das lohnt nicht, wenn man es nur wegen des Buches tut und es als reine Pflicht betrachtet.

Muss ich jetzt reich sein, um ein Buch herauszugeben?

Wenn man sich diese Rechnung ansieht, versteht man auch, warum Verlage vorsichtig sind bei der Annahme von Manuskripten. „Verlag“ kommt von „vorlegen“, all diese Kosten muss der Verlag stemmen, wenn er Sie unter Vertrag nimmt. Das ist auch der Grund, warum ich neben dem Selfpublishing nach wie vor gerne mit größeren Verlagen zusammenarbeite, dann habe ich kein Risiko, bekomme einen Vorschuss und kann erst einmal schreiben, ohne über die Kosten nachzudenken.

Beim Selfpublishing sind Sie der Verleger. Gerade die Kosten im Selfpublishing sind hoch, besonders, seit sich der Markt und die Autoren in den letzten Jahren immer weiter professionalisiert haben. Ja, es ist nicht leicht, dort mitzuhalten, aber meiner Erfahrung nach wissen Leser und Leserinnen nach wie vor ein gutes Buch im Selfpublishing zu schätzen. Sich ins Selfpublishing zu wagen, da stellt sich in erster Linie die Frage:

  • Glaube ich selbst an mein Buch? (Wobei: Wenn Sie nicht dran glauben, wie soll dann ein Verlag / Verleger daran glauben und das investieren, was Sie nicht investieren wollen?)
  • Bin ich bereit, für das Buch, meinen Traum lange Zeit auf alle anderen Extraausgaben zu verzichten, um dem Buch einen so guten Start wie möglich zu schenken?
  • Was will ich selbst machen, wofür engagiere ich jemanden? Hier eine Warnung: Eine Deutschlehrerin ist keine Lektorin. Ein begabter Verwandter, der gerne mit Photoshop spielt, kein Coverdesigner. Die Leser werden den Unterschied direkt merken.

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Foto: Businessman and acrobatic challenges@ alphaspirit, dopositphotos.com

Wann ist es gut genug?

Es ist eine generelle Schwierigkeit, die bei allen künstlerischen Tätigkeiten auftritt, ob man es als Hobby oder als Beruf betrachtet.
Während meiner Schulzeit habe ich die Wochenenden und Urlaube genossen, vollständig abgeschaltet, ohne an irgendwelche Pflichten zu denken. Wenn mit der sehr lockeren Einstellung überwiegend Zweien und Dreien herauskamen und auf dem Zeugnis standen, fand ich das gut genug und war zufrieden. Hobbys, Entspannung, Ausgleichszeiten, all das hat sich wie von selbst ergeben. Ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nachmittags stundenlang vor dem Fernseher gesessen habe? Oder Tage im Bett verbracht? Nein. Warum auch?

Mit dem Schulmusikstudium war es vorbei mit meiner lockeren Einstellung, vor allem beim Geige- und Klavierspielen.

Wenn man es halbwegs professionell betreibt, wird klar:
Einen Tag nicht üben? Kein Problem.
Zwei Tage nicht üben? Ich habe dann deutlich gemerkt, wie die Finger bei technisch schwierigen Stellen nicht flüssig liefen, wie die Konzentration auf dem Notentext und weniger auf der Musik lag, wie ich mehr Kraft aufwenden musste, um ein Stück fehlerfrei zu spielen.
Drei Tage nicht üben? Autsch! Wenn dann eine Unterrichtsstunde ansteht, braucht man dem Lehrer nichts vormachen, es wird nicht laufen. Da hilft es nicht zu sagen: »Am Anfang letzter Woche, da konnte ich es soooo gut!«

Theoretisch gibt es während der Studienzeit mehr als genug Ferien.

Aber mir hat es gegraut vor diesem Zustand, wenn man nach der Pause das Gefühl hat, wieder von vorn anzufangen. Deshalb habe ich Übeunterbrechungen eingelegt. Ferien und Wochenenden? Gestrichen.
Je nach Konstitution ist es kein Problem, das ein paar Jahre durchzuhalten, die Aufmerksamkeit auf die Kunst zu richten, aufs Schreiben, aufs Musizieren, auf sonst nichts.

Wie ein Musikstück kann ein Roman IMMER besser werden, wirklich immer.

Man kann immer ein weiteres Mal überarbeiten, findet kleine Fehlerchen, selbst bei meinen üblichen vier bis fünf Korrekturdurchgängen. Man kann auch sein Schreibpensum immer erhöhen.
Mit diesem Wissen fiel es mir jahrelang schwer, abzuschalten, etwas anderes zu tun als erst die Instrumente zu üben, dann zu Schreiben oder sich mit dem Schreiben zu beschäftigen

Der Gedanke an einen freien Tag hat mich nervös gemacht, weil es ja so viel zu tun und zu verbessern gab.

Ja, den perfekten Roman, den hätte ich gerne gehabt. Er wird selbstverständlich ein Bestseller. 50.000 verkaufte Exemplare, ist das nicht toll? Er erhält natürlich keine schlechten Rezensionen, weil alle angetan sind. Fehlerfrei ist er, ohne einen einzigen Buchstabendreher.

Der Roman macht mich reich, berühmt und glücklich.
So weit die Fantasie.

Träumen ist erlaubt, aber um beim Schreiben einen langen Atem zu bewahren, was viel wichtiger ist als der perfekte Roman, gilt es erst einmal, die Nerven zu schonen. Und jetzt kommt die tragische Erkenntnis: Niemand anderes wird Dir sagen, dass der Roman, Dein Schreiben gut genug ist. Es wird immer diejenigen geben, die keinen Zugang zu dem Geschriebenen bekommen. Perfekt überarbeitete und geplante Romane können sich schlecht verkaufen. Auch nach einem Bucherfolg kann es sein, dass man als Autor jahrelang wie gegen Wände läuft, Absagen kassiert und Flops produziert. Damit umzugehen, ist nicht leicht.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Dinge, die man selbst tun kann, um beim Schreiben den Spaß zu behalten, nicht auszubrennen und nicht zu verzweifeln.

Ja, der Roman, an dem Du schreibst, an dem ich schreibe, wird nicht perfekt. Er wird wahrscheinlich schlechte Rezensionen bekommen. Vielleicht verkauft er sich gut, vielleicht nicht.
Aber eins kann ich von meinem nächsten Roman gewiss sagen: Ich habe einen Riesenspaß beim Schreiben. Und was für einen! Ich genieße es, in die Figuren, die Handlung, die Orte einzutauchen. Schreiben ist für mich entspannend wie Meditation oder wie ein Mittagsschlaf. Ich liebe es – wieder. Denn ich lasse mir garantiert den Spaß daran nicht mehr verderben, halte mir kein unerreichbares Optimum vor Augen

Am Anfang war Schreiben mein Abtauchen, mein Kurzurlaub, jetzt ist es wieder so.

Das ist der erste Punkt, der wichtig ist, um langfristig die Nerven zu behalten. Sich bloß von niemandem den Schreibfluss und die Freude am Schreiben nehmen lassen! Den inneren Lektor und Kritiker in den Urlaub schicken.

Der zweite Punkt, der mich nicht verzweifeln und mich Fehlschläge ertragen lässt: Meine Ziele sind klein, aber erreichbar.

»Ich schreibe jetzt innerhalb eines Monats den nächsten Megabestseller«, das wünschen sich viele gerade am Anfang ihrer Schreibkarriere. Diese Einstellung führt ins Unglücklichsein.
Warum nicht klar definieren:

  • Ich schreibe jeden Tag dreißig Minuten.
  • Ich schreibe jeden Tag 500 Wörter.
  • Heute suche ich aus dem Internet Bilder für meine Protagonisten heraus und drucke sie aus

Das klingt nicht sonderlich beeindruckend. Wer das auf Partys erzählt, wird dafür kaum Bewunderung bekommen.

»Du schreibst jeden Tag dreißig Minuten? Also ICH war heute EINEINHALB Stunden im Fitnessstudio und was glaubst Du, was ich für einen Muskelkater habe?«

Doch darum geht es nicht. Wir Autoren brauchen niemanden zu beeindrucken, uns nicht zu vergleichen, es ist egal, ob es dreißig Minuten Schreibzeit am Tag sind oder zwei Stunden, 500 Wörter oder 2000. Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig außer uns selbst, erst einmal. Die Frage ist nicht, welches Pensum beeindruckt, welches Pensum ich haben muss, um mit einem Kollegen oder einer Kollegin mitzuhalten, sondern was mein erreichbares Ziel ist, das ich recht locker schaffe, das mich beflügelt und nicht auslaugt.
Es ist auch eine Wertschätzung und Freundlichkeit sich selbst gegenüber, indem wir uns Ziele setzen, die zwar klein sind, aber in der Regelmäßigkeit weiterführen. Heute habe ich diesen Artikel geschrieben. Im Vergleich mit anderen Autoren ist das sicher nicht sehr beeindruckend.
Was soll es?

Wartet nur, morgen …morgen schreibe ich wieder eine halbe Stunde

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Foto: Depositphotos.com, Happy child playing outdoors@ Yaruta

Mehr bringt auch mehr?

Zu Beginn möchte ich euch ein Erlebnis aus meiner Schule erzählen, als ich noch selbst Schülerin der 13. Klasse war. Wir schrieben Leistungskursarbeiten. Mathe. Angesetzt waren fünf oder sechs Unterrichtsstunden. Nach drei Stunden war ich fertig und wollte abgeben, mit dem Rad nach Hause fahren. Inzwischen ahne ich, dass unser damaliger Chemielehrer, der die Aufsicht geführt hat, mich trotz seines Protestes nur hat gehen lassen, weil er nicht endlos diskutieren wollte und weil ein längeres Streitgespräch auch die anderen von ihrer Arbeit abgelenkt hätte. Ich setzte mich also aufs Rad, fuhr los und genoss den Rest des freien Vormittags.
Abschließend sei gesagt: Nein, ich habe die Arbeit nicht verhauen, es war ein „sehr gut“.
Was das jetzt mit dem Schreiben zu tun hat?
Wohl jeder ist schon auf die verbreitete Ansicht gestoßen: Etwas wird nur richtig gut, wenn man hart und ausdauernd daran arbeitet

Je mehr Anstrengung, Konzentration, Zeit und Mittel für etwas verwendet werden, umso besser.


Wer hat von Angehörigen im Literaturbetrieb, zum Beispiel im Literaturteil der Zeitungen nicht die Bewunderung erlebt, wenn jemand JAHRELANG oder gar jahrzehntelang an einem Roman gearbeitet hat? Das zeugt von Qualität. Das ist lesenswert!

Die anderen, das sind die „Schnellschreiber“.

Ein Begriff, der mir vor allem unter Buchhändlern begegnet ist. Schon wieder eine Neuerscheinung von XY. Hat die nicht zuletzt … Und ja, sie / er hat. Na, dann kann das neue Buch ja nichts taugen.
Für meine ersten Romane habe ich wirklich Jahre gebraucht. Ich habe mich mit Wörtern und Sätzen gequält, an manchen Wochenenden acht oder mehr Stunden am Schreibtisch gesessen und schlussendlich nichts Neues produziert, das ich stehen lassen konnte, sondern sogar auch noch Passagen aus dem bestehenden Manuskript gelöscht. Die Bilanz des Tages war damit auf die Wortanzahl bezogen negativ. Mir tat der Rücken weh, der Kopf dröhnte und Hunger hatte ich anschließend auch keinen mehr. Das Hungergefühl an sich war mir von der Anspannung des Nachdenkens vergangen. Obwohl ich in meinen Anfangsjahren des Schreibens selbst erlebt habe, dass eine längere Zeitdauer der Arbeit nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen führt, hatte ich eine Blockade, diese Erkenntnis auch aufs Schreiben zu übertragen.

Inzwischen bin ich mir sicher: Mehr (Zeit, Konzentration, Willenskraft) hilft nicht mehr. Sogar würde ich einen Schritt weitergehen. Mehr schadet.

Einen Roman kann man auf exzessive Weise unbeschadet schreiben, wenn man jung und gesund ist. Wer Anfang zwanzig ist, verkraftet es zumeist problemlos, wenn man sich bei stundenlangem Sitzen am Schreibtisch alle Muskeln verspannt, wenn man nicht ausreichend isst und trinkt. Der Körper ist widerstandsfähig, er verzeiht viel. Die anschließende Schlaflosigkeit, weil man auch in der Nacht nicht die Gedanken vom Roman wegbekommt, erscheint dann wie eine zusätzliche Auszeichnung: Seht her, was ich für den Roman alles tue, wie wichtig er mir ist.
Doch auf die Jahre bezogen glaube ich nicht, dass das irgendjemand unbeschadet durchhält. Wer zu viel tippt, bekommt Probleme mit den Sehnenscheiden, oder es ist der Rücken, der zuerst Signale sendet, oder der Nacken. Manchmal sinkt auch als erstes Symptom die Stimmung in den Keller.

Sicher, ein Roman schüttelt sich nie aus dem Ärmel. Ohne Mühe und Konzentration geht es nicht.

Aber inzwischen plädiere ich dafür, die Vorurteile, die euch laufend begegnen, einmal zu überdenken und auch Alternativen selbst auszuprobieren.
Ist ein Roman, der in zwanzig Jahren entstanden ist, schlechter als einer, der in zwei Monaten geschrieben wurde? Jeder, der im Schreiben erfahren ist, weiß, dass sich der Stil, das Denken, die Persönlichkeit wandeln. Was man vor langer Zeit verfasst hat, passt heute nicht mehr. Um es zu veröffentlichen, muss man es völlig neu schreiben. Ich behaupte, der Roman würde genauso gut, wenn man immer wieder kurz Ideen auf Zettel notiert, sich dann irgendwann hinsetzt, um den Roman zügig zu schreiben.
Dann die Zeitdauer der Arbeits“sitzung“: Lohnt es sich, acht Sunden am Schreibtisch zu grübeln, was man schreiben könnte? Wird der Roman besser, je mehr Zeit man vor dem Bildschirm verbringt?
Mir selbst hilft es mehr, wenn ich zur Einstimmung den Morgen mit einem Ritual starte, dann konzentriert für eine festgelegte, kurze Zeit schreibe.

Bei all den Erwähnungen, wie ungeheuer lang und hart jemand am Roman gearbeitet hat, fehlt ein wesentlicher Aspekt: die Pausen.

Ich denke, Pausen sind sogar wichtiger für das Schreiben als die Zeit, die man am Schreibtisch verbringt. Mit Pausen meine ich nicht, sich stundenlang vor Netflix zu parken, Youtube-Videos durchzuklicken, oder etwas in der Art, sondern sich einen bewussten Ausgleich zu schaffen, sich Tätigkeiten zu wählen, die mit dem Schreiben nichts zu tun haben und guttun. Was inspiriert, Spaß macht und Erholung bringt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Bei mir sind das vor allem: wandern (mit und ohne Hunden), reisen, Sport insgesamt, Pizza essen gehen, Freunde und Kollegen treffen, Musik hören und selber machen, zeichnen.

Unser Hirn ist nicht so aufgebaut, dass es Lösungen für Plotprobleme liefert, wenn wir uns nur lang und angestrengt genug an den Schreibtisch setzen.

Sondern die Aha-Erlebnisse kommen oft genau dann, wenn wir sie nicht erwarten, unter der Dusche, beim Kochen, draußen, beim Autofahren, wenn man wegen des dichten Verkehrs keine Chance hat, zum Block zu greifen. Deshalb ist es wichtig, genau solche Auszeiten bewusst in den Tag zu integrieren. Umso wahrscheinlicher ist es meistens, dass die Lösungen auftauchen.
Ich selbst habe aktuell folgenden Rhythmus:

  • eine Hunderunde gehen
  • Tee trinken
  • 45 Minuten konzentriert schreiben
  • länger wandern
  • rund 1 Stunde Mails beantworten, mich um Werbung, Social Media kümmern.
    Dann ist Zeit fürs Mittagessen. Da mein Tag sehr früh beginnt, lege ich mich meistens auch noch einmal hin.
  • rund zwei Stunden Arbeit enthält der Nachmittag, es können auch einmal bis vier Stunden werden, aber der Abend ist dann wieder frei

Bei alledem ist die Zeit für das Schreiben extrem kurz, doch gerade in den schreibfreien Zwischenzeiten werden mir Zusammenhänge meiner Schreibplanung klar, Widersprüche im Plot deutlich, sodass diese Auseiten im Grunde genauso wichtig sind, wie das Schreiben selbst.
So kann ich nur jeden ermuntern, die eigene Schreibroutine unter die Lupe zu nehmen und eventuell netter zu sich selbst zu sein. Niemandem hilft es, wenn ihr euch quält, wenn ihr Stunden am Schreibtisch auf den leeren Bildschirm starrt. In Erzählungen macht es sich oft wirklich gut und es führt auch zu Bewunderung, wenn ihr von Mamut-Schreibsitzungen berichtet: Wow, so wichtig ist ihr / ihm sein Schreiben und der Roman! Was sie / er alles dafür opfert!
Ist das nicht heroisch? Muss ein wahrer Held nicht kämpfen, in erster Linie gegen sich selbst, um zum Erfolg zu kommen? Schließlich verlangen wir das ja auch von unseren Romanfiguren. Sie sollen kämpfen, bis an ihr Äußerstes gehen, sich selbst von Verletzungen und Gefahren nicht aufhalten lassen.

Aber das reale Leben ist kein Roman.

Nein, das Schreiben muss kein Kampf sein, keine Selbstzerstörung, keine Quälerei. Man kann es auch einfach nur fließen lassen und sich ansonsten ein schönes Leben machen.


Beitragsbild: Tired businesswoman sleeping on her desk
@ stockasso, depositphotos.com

Meine drei Info-Highlights fürs Selfpublishing

Nach sechs Jahren im Selfpublishing habe ich unzählige Bücher und Blogartikel gelesen und nutze die Chance des ersten Blogartikels auf meinem neuen Blog der Selfpublishingberatung, einmal zusammenzustellen, was mir persönlich am meisten weitergeholfen hat in all den Jahren.

  1. Das ist einmal die Webseite der Selfpublisherbibel  – Ein Portal rund um das Selfpublishing, bestückt mit sehr umfangreichen Artikel zu so gut wie allen Fragestellungen. Meine Empfehlung: Dort den Newsletter abonnieren. Es gibt einen Newsletter für neue Blogartikel und einen für eine wöchtentliche Übersicht. Damit ist man immer auf dem neuesten Stand. Für diejenigen, die Bücher lieber in der Hand haben und auch offline nachschlagen wollen: Von dem Blog gibt es auch ein Nachschlagewerk mit demselben Namen.

2. Facebook-Gruppe »Self Publishing« – Fragen und Diskussionen über alles rund ums Selfpublishing. Zu dieser Gruppe habe ich persönlich ein gespaltenes Verhältnis. Dort gibt es sehr viel Informatives! Spannende Diskussionen tauchen häufig auf, aber wer dort aktiv ist, muss auch ein gewisses Maß an Konfliktfähigkeit mitbringen und wissen, dass es manchmal besser ist zu schweigen. Nichts für unüberlegte Poster.

3. Die beiden Fachmagazine »der selfpublisher« und »Federwelt« vom Uschtrin Verlag. Hier lohnt es sich, auch die alten Hefte nachzubestellen. In meinem Bücherregal gibt es inzwischen eine ansehnliche Sammlung der Hefte und es kommt immer noch vor, dass ich teilweise in alten Heften blättere, um etwas nachzuschlagen.

Und was sind eure absoluten Lieblingsseiten, Lieblingsbücher und Lieblingszeitschriften übers Selfpublishing?

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Beitragsbild von Books collection, Depositphotos@ Baloncici