Früher dachte ich: Mir kann so etwas nie passieren

… und ist es in den ersten zwanzig Autorenjahren auch nicht. Wenn es geklemmt hat, reichte bei den journalistischen Texten ein kurzes Telefonat mit der Programmleitung und es floss wieder. Bei meinen Romanen war es eher so, dass das Leben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, weil ich am liebsten Tag und Nacht durchgeschrieben hätte.
Inzwischen weiß ich, dass das einfach nur eine Mischung aus Glück gewesen ist und guten äußeren Umständen.

Denn ja, seit einigen Jahren kenne ich sie auch nur zu gut, die Schreibblockaden.

Ganz übel ist es, wenn der Kontostand ins Minus rutscht, ich nur das abgesprochene Exposé schreiben und abgeben müsste, es aber nicht geschrieben kriege, weil …
Tja, warum? Es geht einfach nicht. Ich setze mich hin und mir fällt nichts ein. Alle Ideen, die ich vorher für gut befunden habe, erscheinen nun lächerlich, langweilig oder richtig bescheuert. In vielen Ratgebern habe ich gelesen, dass es hilfreich sei, auf inhaltlicher Ebene zu arbeiten, Mindmaps zu erstellen, sich mit Kollegen fachlich auszutauschen, aber das führt bei mir gar nicht weiter, im Gegenteil. Mit Mindmaps kann ich Hunderte von Ideen produzieren, die dann auch lächerlich sind, langweilig oder mehr als bescheuert. Im Gespräch mit Kollegen kann ich denen erklären, warum das alles nichts taugt. Logik hilft bei mir nicht weiter, denn was fehlt, sind keine Ideen, es gibt keinen grundsätzlichen Fehler in der Handlung, den ich beheben könnte, sondern das Feuer fehlt, das Brennen für ein Thema, für Figuren, der Kick, der mich dazu bringt, mich hinzusetzen, der mir sagt: DU MUSST SCHREIBEN! DAS UND NICHTS ANDERES.
Du musst dich nur durchkämpfen, auch ein Ratschlag, den man häufig hört. Aber was kommt dabei raus? Man schreibt in acht Stunden zwei Seiten, ist völlig erschöpft und löscht beim nächsten Mal die zwei Seiten wieder.

Aber inzwischen habe ich Wege gefunden, die wirklich helfen. Dabei sind zwei Dinge ausgeschlossen, die ich bei Schreibblockaden im Vorfeld überprüfen würde:

  • Ist das Schreiben gut im Tagesplan integriert und funktioniert die Regelmäßigkeit? (Wer versucht, zwischen Tür und Angel ein paar Minuten Schreibzeit zu quetschen, scheitert zumeist. Aber das ist meistens gar nicht das Problem, und wenn es das ist, lässt es sich auch mit logischem Denken beheben.)
  • Wenn es mitten im Roman hängt: Gibt es einen Fehler im Aufbau der Geschichte? (Hier reicht es, eine Kollegin oder einen Kollegen des Vertrauens zu fragen, um eine ehrliche Antwort zu bekommen, das lässt sich auch leicht beheben.)
  • Habt ihr zu viel Ablenkung durch andere Apps und Programme? Legt das Handy ganz weg, in einen anderen Raum, schaltet das Telefon aus, steckt euch eventuell Ohropax in die Ohren und sperrt das Internet, entweder durch das Ziehen des Steckers oder indem ihr selbst am Computer eine Kindersicherung installiert. Beim Mac funktioniert 1Fokus ganz fantastisch.

Aber eine der typischen Schreibblockaden folgt keiner Logik. Die Schreibzeit ist da, könnte genutzt werden. Die Idee wartet nur darauf, umgesetzt zu werden, und es gibt auch keinen Grund, eben nicht anzufangen.

Innerlich ist es, wie wenn man vor einer geschlossenen Tür steht und keinen Schlüssel besetzt. Zu dem „Ich kann einfach nicht“ gesellen sich bald noch andere Gedanken. Das Buch wird sich sowieso nicht verkaufen. Es ist schlecht. Ich bin nicht gut genug. Es gibt schon viel zu viele Autoren, zu viele Bücher, was soll ich da noch … Ich werde es niemals schaffen.
Wobei sich dieses Gedankenkreisen zumindest vermeiden lässt. Nein, setzt euch nicht zum zwanzigsten Mal an den Computer, um euch den Text mühevoll abzutrotzen, denn die Blockade führt dazu, dass man in der Gegend herumdenkt, anstatt zu schreiben. Probiert einmal Folgendes:

  • Macht etwas ganz anderes, etwas Schönes, das ihr euch schon lange gewünscht habt: Geht unter Leute und redet (aber nicht die Schreibblockade immer wieder durchkauen, kurz erwähnen ist okay, aber um die Schreibblockade kreisen, das tut ihr zu Hause schon viel zu lang), treibt Sport, gönnt euch einen Kinobesuch oder was auch immer euch Freude bereitet. Verbietet euch für ein paar Tage das Schreiben und genießt das Leben. Manchmal reichen schon ein paar Stunden, um so einen Durchbruch zu erreichen. Meiner Erfahrung nach sind drei Tage ein guter Zeitrahmen, jedenfalls bei mir.
  • Wechselt den Schreibmodus. Das klingt einfach, ist aber eines der wirksamsten Mittel. Ihr tippt am Computer? Schreibt mit der Hand, diktiert den Text beim Wandern ein oder probiert, auf einem Tablett mit einer App zur Handschriftenerkennung mit einem Pen zu schreiben und die Schrift umwandeln zu lassen. Mir hat es vor einiger Zeit geholfen, auf eine alte elektrische Schreibmaschine zu wechseln. Das war für mich eines der besten Erlebnisse 2018, wie diese für einen Euro ersteigerte Schreibmaschine meinem Schreiben einen so guten Schwung verliehen hat. Es war der am besten angelegte Euro überhaupt.
  • Ändert den Schreibort.
    Vom Schreibtisch aufs Sofa oder in den Sessel, ab ins Bett. Im Sommer kann man sich auch draußen in eine Hängematte legen, wandern gehen und zwischendurch an einem schönen Ort Rast machen und schreiben. Wie läuft es im Café? Hier hilft es, wenn ihr euch fragt, wo ihr früher richtig kreativ sein konntet. Wo hattet ihr ganz am Anfang eurer Schreiblaufbahn die perfekten Ideen, wo floss das Schreiben am besten? Sucht diese Orte wieder auf.

Möge für uns alle 2019 ein ganz besonders kreatives Schreibjahr werden!

Und bei Blockaden: Mögen die Tipps oben euch helfen, wieder in Schwung zu kommen. Ich selbst schreibe im Zweifelsfall in der Hütte auf der alten Schreibmaschine 😊

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Beitragsbild: Writer’s Block Words Road Construction Barrier Barricade @ iqoncept, Depositphotos

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