Schreibblockaden – wenn gar nichts mehr hilft

Heute habe ich einen sehr guten Blogartikel gelesen von Laura Nieland.
Es ist eine prägnante und zugleich ausführliche Beschreibung des Phänomens und es zeigt eine Sammlung von Lösungsmöglichkeiten auf. Auch auf diesem Blog gibt es bereits einen Artikel über Schreibblockaden.

Warum jetzt noch einen Artikel über Schreibblockaden?

Weil manche Schreibblockaden von all den Tipps nicht wegzubekommen sind.
Im Groben laufen die Vorschläge darauf hinaus, es sich gutgehen zu lassen und für Ausgleich zu sorgen, Inspirationen zu suchen. Oder Fehler zu finden, also tiefer in den Text einzusteigen durch Gespräche mit anderen oder weiterem Plotten. Auch die Bedeutung von Routinen wird betont. Das stimmt. Damit ist das Problem wirklich oft gelöst, von daher ist es sinnvoll, zuerst die beiden obigen Artikel zu lesen. Vielleicht hat sich der Knoten auf diese Weise bereits aufgelöst.

Aber was, wenn die allerbesten Bedingungen existieren und es trotzdem nicht fließt beim Schreiben? Wenn der Knoten im Hirn eher größer als kleiner wird?

Dann lohnt es sich, einmal ganz anders an die Angelegenheit ranzugehen. Das setzt voraus, die üblichen Tipps auch durchprobiert zu haben.
Aber es kann sein, dass der Fehler woanders liegt, nämlich dadurch bedingt ist, dass man generell Wertigkeiten schafft. Es wird eingeteilt in Gut (Abwechslung, Auszeiten, Bewegung, Inspirationen, Plotten und Planen, Austausch, Routinen) und Schlecht (zu viel Schreiben, sich beim Schreiben treiben lassen, spontan schreiben, im Alltag festhängen, keinen Ausgleich haben und wie ein Couchpotato vor dem Fernseher hängen oder im Internet zappen).
Man optimiert sich zum Vorzeigeautor, schafft die besten Bedingungen: genügend Zeit, wenig Stress, Rückzugsmöglichkeiten, Inspirationen durch viele Reisen und Abwechslung, logische und ausführliche Plots, Bewegung und auch Pausenzeiten. Eine klare Schreibroutine.

Wenn man nicht aufpasst, wird man noch »Schreiboptimierer« von Beruf.

Und? Es funktioniert trotz aller üblichen Tipps nicht? Möglicherweise sogar gerade deswegen, weil Du verbesserst und weiterverbesserst, Dein Leben und Alltag auf den Prüfstand stellst?.

Der Haken liegt eventuell genau an dem Wort »verbessern«.

An der Einteilung in gut und schlecht, in richtig oder falsch. Auch der Begriff »Schreibblockade« ist im Grunde nicht korrekt, denn Du kannst ja schreiben. Oder bereitet es Dir Probleme, die Einkaufsliste zu notieren? Einen Geburtstagsgruß? Auf Facebook oder Instagram etwas zu posten?

Also kannst Du schreiben!

Sich das zu vergegenwärtigen ist der erste Schritt. Du kannst schreiben. Immer, wenn Du willst. Und Du schreibst auch, sogar sehr viel, wette ich. Es ist oft die Wortanzahl eines Romanartikels, die wir täglich schreiben, aber eben nicht am Roman.
Nun gilt es, den Fokus auf das zu legen, was funktioniert und das, was nicht geht, erst einmal auszublenden. Erstens kannst Du schreiben, das ist definitiv viel, es ist die Grundbedingung. Denk nicht an Deine Schreibblockade, sondern an das, was Du kannst, wie zum Beispiel schreiben.

Du kannst auch eine Zeit bestimmen.

Meine Empfehlung: Nimm die Zeit, bevor das Leben am Tag über Dich hereinbricht, beginne lieber mit einer geringeren Dauer als mit einer zu hoch angesetzten. Wann ist die Zeit, an der Du TÄGLICH schreiben kannst? Trage sie in den Kalender ein. Hier lohnt es sich rumzuprobieren. Auch kann durch ein Mittagsschlaf (wenn einplanbar) der gefühlte Tagesbeginn und der Neustart auf den Nachmittag verschoben werden.

Jetzt wird es individueller. Es ist völlig uninteressant, wie Du NICHT schreiben kannst, wie Du Dein Hirn blockierst.

Wie kannst Du schreiben? Im Grunde in jeder Variante, aber wo kommen die meisten Worte, die meisten Ideen?

  • Auf Post-it-Zetteln mit Filzstift?
  • Mit Füller in der Kladde im Bett?
  • Mit dem Diktiergerät unterwegs beim Wandern?
  • Mit dem Diktiergerät beim Autofahren? Ja, ich weiß, Handybedienung während der Fahrt ist verboten, aber nicht, es im Aufnahmemodus nebenan zu legen.
  • Mit dem E-Pen auf dem Tablet? Es gibt übrigens tolle Apps zur Schriftenumwandlung.
  • Bei mir kommen die meisten Ideen an einer alten Schreibmaschine oder mit Füller auf einem A4 Block. Varianten existieren unzählige. Selbst wenn es mit Lippenstift auf Toilettenpapier ist, ist es eben so.

Sicher kommt der Gedanke auf: Tja, ich kriege auf diese Weise zwar viele Worte, viele Ideen, bin aber bei meinem Projekt keine Zeile weitergekommen. Das zeigt eins der Hauptprobleme, dass man bei einer Schreibblockade mit den Nerven fertig ist und doch einfach nur am Roman weiterkommen will, keine Post-it-Zettel ausprobieren, keinen Füller hervorkramen. Hier lohnt sich Geduld, weil sich ein Roman ja nicht an einem Tag schreibt. Und wenn man sowieso blockiert ist, kann man einiges auch noch einmal ganz neu probieren. Herumprobieren ist doch besser, als sich über die Blockade aufzuregen.

Also: WIE schreibst Du am besten? Oder diktierst Du lieber? Wo kommen die meisten Wörter, Ideen? Finde es heraus und vergleiche real, stelle es Dir nicht nur vor. Um das zu probieren, beginne ein Tagebuch oder Briefe oder was auch immer. Das Was zählt nicht, nur die Wortanzahl, die Ideendichte und das Wohlfühlen.

Wenn Du es herausgefunden hast, bist Du einen großen Schritt weiter. Du weißt, dass Du schreiben kannst. Und Du kannst immer schreiben, hast für Dich die beste Zeit festgelegt. Und Du kennst die Art, wie Du am besten schreibst.

Nun geht es an den Ort. Wo fühlst Du Dich am wohlsten? Wo hast Du Ruhe oder die richtige Menge an Hintergrundgeräuschen?

Probiere verschiedene Schreiborte aus, die realistisch, schnell und ohne großen Aufwand regelmäßig zu erreichen sind.
»Also ich schreibe am besten in Australien, wenn mir jemand den Rücken massiert und es genau 28 Grad ist«, das gilt nicht.

  • Ist es das Sofa im Wohnzimmer?
  • Dein Bett?
  • Die Badewanne?
  • Im Liegen oder Sitzen oder Stehen?
  • Im Auto beim Diktieren?
  • Im Stau?
  • An der Bushaltestelle?
  • Hast Du einen Lieblingssessel?
  • Auf der Bank im Park?
  • Bei der Gassirunde mit Deinen Hunden?
    Es gibt noch so viel mehr Alternativen, probiere sie aus.

Jetzt weißt Du, wie Du es angehen musst, Du kannst Schreiben, kennst den besten Ort, den Modus, die Zeit. Wenn Du dann schreibst und mit dem Roman beginnst, gilt weiterhin: Es geht nur um die Wörter, um die Ideendichte. Reihenfolge? Egal. Blöd formuliert? Egal. Jeder, der es liest, denkt, Du spinnst? Egal.

Sage Dir immer wieder: Es geht nur um das Schreiben an sich, um nichts, aber auch gar nichts anderes.

In der Realität habe ich so 2013 einen Roman mit Abgabetermin im Bett geschrieben, mit Füller auf einen Block, nicht von vorn bis hinten, sondern querbeet, mal was zu den Figuren, mal etwas zu dem Setting, mal eine Szene, mal nur eine Idee skizziert.
Das Sortieren der Seiten und entziffern meiner nächtlich verkrakelten Schrift hat 2 Wochen gedauert. Rund 10 Tage musste ich die Lücken füllen, weil der Roman eben nicht vollständig war. Die Überarbeitung war auch länger als sonst.
Ja, diese Methode kostet durch all das Herumprobieren Zeit. Du wirst langsamer schreiben, weil Du möglicherweise Zwischenschritte (Sortieren, Lückenfüllen, stärkeres Überarbeiten) einbauen must.
Aber hey, das packst Du mit Links, immerhin verschwindet so meistens die Schreibblockade und das ist doch was! Damit hast Du Dein Ziel erreicht.




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Wann ist es gut genug?

Es ist eine generelle Schwierigkeit, die bei allen künstlerischen Tätigkeiten auftritt, ob man es als Hobby oder als Beruf betrachtet.
Während meiner Schulzeit habe ich die Wochenenden und Urlaube genossen, vollständig abgeschaltet, ohne an irgendwelche Pflichten zu denken. Wenn mit der sehr lockeren Einstellung überwiegend Zweien und Dreien herauskamen und auf dem Zeugnis standen, fand ich das gut genug und war zufrieden. Hobbys, Entspannung, Ausgleichszeiten, all das hat sich wie von selbst ergeben. Ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nachmittags stundenlang vor dem Fernseher gesessen habe? Oder Tage im Bett verbracht? Nein. Warum auch?

Mit dem Schulmusikstudium war es vorbei mit meiner lockeren Einstellung, vor allem beim Geige- und Klavierspielen.

Wenn man es halbwegs professionell betreibt, wird klar:
Einen Tag nicht üben? Kein Problem.
Zwei Tage nicht üben? Ich habe dann deutlich gemerkt, wie die Finger bei technisch schwierigen Stellen nicht flüssig liefen, wie die Konzentration auf dem Notentext und weniger auf der Musik lag, wie ich mehr Kraft aufwenden musste, um ein Stück fehlerfrei zu spielen.
Drei Tage nicht üben? Autsch! Wenn dann eine Unterrichtsstunde ansteht, braucht man dem Lehrer nichts vormachen, es wird nicht laufen. Da hilft es nicht zu sagen: »Am Anfang letzter Woche, da konnte ich es soooo gut!«

Theoretisch gibt es während der Studienzeit mehr als genug Ferien.

Aber mir hat es gegraut vor diesem Zustand, wenn man nach der Pause das Gefühl hat, wieder von vorn anzufangen. Deshalb habe ich Übeunterbrechungen eingelegt. Ferien und Wochenenden? Gestrichen.
Je nach Konstitution ist es kein Problem, das ein paar Jahre durchzuhalten, die Aufmerksamkeit auf die Kunst zu richten, aufs Schreiben, aufs Musizieren, auf sonst nichts.

Wie ein Musikstück kann ein Roman IMMER besser werden, wirklich immer.

Man kann immer ein weiteres Mal überarbeiten, findet kleine Fehlerchen, selbst bei meinen üblichen vier bis fünf Korrekturdurchgängen. Man kann auch sein Schreibpensum immer erhöhen.
Mit diesem Wissen fiel es mir jahrelang schwer, abzuschalten, etwas anderes zu tun als erst die Instrumente zu üben, dann zu Schreiben oder sich mit dem Schreiben zu beschäftigen

Der Gedanke an einen freien Tag hat mich nervös gemacht, weil es ja so viel zu tun und zu verbessern gab.

Ja, den perfekten Roman, den hätte ich gerne gehabt. Er wird selbstverständlich ein Bestseller. 50.000 verkaufte Exemplare, ist das nicht toll? Er erhält natürlich keine schlechten Rezensionen, weil alle angetan sind. Fehlerfrei ist er, ohne einen einzigen Buchstabendreher.

Der Roman macht mich reich, berühmt und glücklich.
So weit die Fantasie.

Träumen ist erlaubt, aber um beim Schreiben einen langen Atem zu bewahren, was viel wichtiger ist als der perfekte Roman, gilt es erst einmal, die Nerven zu schonen. Und jetzt kommt die tragische Erkenntnis: Niemand anderes wird Dir sagen, dass der Roman, Dein Schreiben gut genug ist. Es wird immer diejenigen geben, die keinen Zugang zu dem Geschriebenen bekommen. Perfekt überarbeitete und geplante Romane können sich schlecht verkaufen. Auch nach einem Bucherfolg kann es sein, dass man als Autor jahrelang wie gegen Wände läuft, Absagen kassiert und Flops produziert. Damit umzugehen, ist nicht leicht.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Dinge, die man selbst tun kann, um beim Schreiben den Spaß zu behalten, nicht auszubrennen und nicht zu verzweifeln.

Ja, der Roman, an dem Du schreibst, an dem ich schreibe, wird nicht perfekt. Er wird wahrscheinlich schlechte Rezensionen bekommen. Vielleicht verkauft er sich gut, vielleicht nicht.
Aber eins kann ich von meinem nächsten Roman gewiss sagen: Ich habe einen Riesenspaß beim Schreiben. Und was für einen! Ich genieße es, in die Figuren, die Handlung, die Orte einzutauchen. Schreiben ist für mich entspannend wie Meditation oder wie ein Mittagsschlaf. Ich liebe es – wieder. Denn ich lasse mir garantiert den Spaß daran nicht mehr verderben, halte mir kein unerreichbares Optimum vor Augen

Am Anfang war Schreiben mein Abtauchen, mein Kurzurlaub, jetzt ist es wieder so.

Das ist der erste Punkt, der wichtig ist, um langfristig die Nerven zu behalten. Sich bloß von niemandem den Schreibfluss und die Freude am Schreiben nehmen lassen! Den inneren Lektor und Kritiker in den Urlaub schicken.

Der zweite Punkt, der mich nicht verzweifeln und mich Fehlschläge ertragen lässt: Meine Ziele sind klein, aber erreichbar.

»Ich schreibe jetzt innerhalb eines Monats den nächsten Megabestseller«, das wünschen sich viele gerade am Anfang ihrer Schreibkarriere. Diese Einstellung führt ins Unglücklichsein.
Warum nicht klar definieren:

  • Ich schreibe jeden Tag dreißig Minuten.
  • Ich schreibe jeden Tag 500 Wörter.
  • Heute suche ich aus dem Internet Bilder für meine Protagonisten heraus und drucke sie aus

Das klingt nicht sonderlich beeindruckend. Wer das auf Partys erzählt, wird dafür kaum Bewunderung bekommen.

»Du schreibst jeden Tag dreißig Minuten? Also ICH war heute EINEINHALB Stunden im Fitnessstudio und was glaubst Du, was ich für einen Muskelkater habe?«

Doch darum geht es nicht. Wir Autoren brauchen niemanden zu beeindrucken, uns nicht zu vergleichen, es ist egal, ob es dreißig Minuten Schreibzeit am Tag sind oder zwei Stunden, 500 Wörter oder 2000. Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig außer uns selbst, erst einmal. Die Frage ist nicht, welches Pensum beeindruckt, welches Pensum ich haben muss, um mit einem Kollegen oder einer Kollegin mitzuhalten, sondern was mein erreichbares Ziel ist, das ich recht locker schaffe, das mich beflügelt und nicht auslaugt.
Es ist auch eine Wertschätzung und Freundlichkeit sich selbst gegenüber, indem wir uns Ziele setzen, die zwar klein sind, aber in der Regelmäßigkeit weiterführen. Heute habe ich diesen Artikel geschrieben. Im Vergleich mit anderen Autoren ist das sicher nicht sehr beeindruckend.
Was soll es?

Wartet nur, morgen …morgen schreibe ich wieder eine halbe Stunde

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Foto: Depositphotos.com, Happy child playing outdoors@ Yaruta