Buchmesse Frankfurt 2019

Keine Frage: Der Buchmessenbesuch kostet einiges an Geld, wenn man nicht gerade eine Karte geschenkt bekommt. Die Anreise in den eben wegen der Buchmesse überfüllten Zügen ist stressig. Stattdessen ins Auto zu steigen, hilft auch nicht unbedingt, da die Parkhäuser auch teuer sind, die Straßen voller Staus. Die Hallen sind voll, laut, schon nach kurzer Zeit ist man bei einer leichten Erkältung heiser, weil eine Unterhaltung in üblicher Lautstärke nicht möglich ist. Unübersichtlich ist es anfangs auch.

Warum zur Hölle sollte man es sich antun, auf die Buchmesse zu fahren?

Warum nicht einfach zu Hause bleiben und sich über die sozialen Medien vernetzen? Reicht das nicht?
Für mich ist ganz klar: Nein, es reicht nicht, weil die Vorteile der Buchmesse überwiegen. Auch wenn sich aufgrund all der Eindrücke, der Wärme in der Halle, der Menschenmenge und des Lärmpegels mein Kopf schon nach wenigen Stunden anfühlt, als hätte ich über den Durst getrunken, genieße ich den Messebesuch noch Wochen später. Warum?
Nirgends gibt es Lesungen und Vorträge gehäufter und schneller erreichbar.

Wer einmal auf der Messe ist, bekommt ein Angebot für Literaturfans, das nicht zu toppen ist.

Gerade aufgrund der Fülle lohnt es sich allerdings, sich im Vorfeld genau zu überlegen: Welche Veranstaltungen finden zu dem Zeitpunkt, an dem ich da bin, statt? Was möchte ich unbedingt besuchen? Wie komme ich von Ort zu Ort (Hallenplan besorgen, das ist für Neulinge ein Muss). Neben den Übersichten auf den Webseiten der Buchmesse gibt es auch auf Blogs interessante Zusammenstellungen. Auch kann man konkret auf den Facebook-Seiten der Autoren nachsehen, wann wer sich wo befindet. Neben dem Messeplan und der Vorabinformation ist es natürlich wichtig, bei der Kleidung in erster Linie auf Bequemlichkeit zu achten. An diesem Messedonnerstag hatte ich einen Schrittzähler dabei, der am Ende des Tages genau 13493 Schritte gezählt hat. Rund 9,5 Kilometer sind das bei meiner Körpergröße, das geht schon in Richtung Sportprogramm – zumindest für Untrainierte.
Im Alltag ist man mit seiner Vorliebe für Lesen / Literatur / bestimmte Autoren oft ein bunter Hund. Die eigene Begeisterung herauslassen in einer Unterhaltung? Das ist nicht unbedingt immer empfehlenswert, wenn man die anderen nicht zutexten und nerven möchte. Auf der Buchmesse geht es endlich einmal nicht um Smalltalk, nicht um Höflichkeit, sondern um unsere Leidenschaft. Auch mit neuen Bekanntschaften werden die Gespräche schnell intensiv, als würde man sich schon Jahre kennen. Für jeden, der Bücher liebt, ein Genuss, direkt mit dem Wesentlichen beginnen zu können.
Nirgends ist es so einfach, neue Kontakte zu knüpfen. »Ich stelle dich mal xy vor«, in der Unkompliziertheit habe ich es nur auf der Buchmesse erlebt, wie schnell es möglich ist, Freundschaften zu schließen (ja, richtige Freundschaften), den eigenen Blick zu erweitern.

Für mich ist die Buchmesse auch in erster Linie ein tolles, sehr reelles Kontrastprogramm zu dem Social-Media-Wahnsinn.

All diejenigen, die erst Freunde »sammeln«, um dann zu posten, dass sie jetzt alle entfreunden wollen, die nicht auch der Meinung sind, dass …, dann die Beiträge mit ausufernden Diskussionen, bei denen es schon längst nicht mehr um die Sache, sondern ums Rechthaben geht? Auf der Buchmesse ist davon nichts zu finden, trotz der Fülle ist die Stimmung gelöst, konstruktiv und inspirierend.

Die Messe ist eine Literaturdusche für Buchfans, die den Staub vom Alltag einmal vollständig abwäscht.

Für mich ist dieses Jahr die Messe nach zwei mit Büchern angefüllten Tagen schon vorbei, aber noch immer freue ich mich, dort gewesen zu sein.